Die Anforderungen an Sicherheiten seitens einer Kreditfinanzierung sind hoch. Mit Schwierigkeiten werden dahingehend vorwiegend junge und kleine Betriebe konfrontiert. Trotz historisch niedriger Zinsen und der Lockerung von Kreditrichtlinien bei deutschen Banken müssen sie sich im Vergleich zu großen Unternehmen deutlich häufiger mit Kreditablehnungen auseinandersetzen. Alternative Finanzierungsformen sind oft die einzige Option, um an Kapital zu gelangen.

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Mittelständische Unternehmen haben es nicht leicht, wenn es um die Beschaffung von Fremdkapital geht. Sie haben häufig Probleme ausreichend Sicherheiten bereitstellen zu können und ihre Bonität ist strukturell bedingt vergleichsweise niedrig. Aufgrund der erheblichen Herausforderungen in Verbindung mit klassischen Bankkrediten, werden alternative Optionen nach dem Crowdfunding-Prinzip zunehmend interessant für Unternehmen. Crowdfunding bezeichnet eine relativ neue Finanzierungsform. Statt eines Geldinstituts oder eines Investors wird die Finanzierung durch eine größere Anzahl Geldgeber realisiert. Häufig handelt es sich um Privatpersonen. auxmoney, ein nach dem Crowdfunding-Prinzip agierender Online-Kreditmarktplatz, zählt seit 2007 zu den Vermittlungsplattformen, die Kreditsuchende und Investoren zusammenbringt. Bislang konzentrierte sich die Plattform auf die Kreditvermittlung an Privatpersonen, Selbstständige und Existenzgründer. Wie das Handelsblatt Anfang April online berichtete, wurde der Geschäftsbereich nun um Firmenkredite erweitert. Seit Kurzem vermittelt der Kreditmarkplatz auch an kleine und mittelgroße Unternehmen Fremdkapital. „Mit unserem neuen Angebot können wir nun auch Unternehmen bedienen, die schon viele Mitarbeiter beschäftigen. Von solchen haben wir zuletzt viele Anfragen bekommen“, zitiert die deutsche Tageszeitung auxmoney Geschäftsführer Raffael Johnen. Details dazu, wie man schnell einen Kredit bekommt und online beantragt, erklärt auxmoney auf der offiziellen Internetpräsenz.

Mangelnde Kreditvergabe als Warnsignal für Wettbewerbsfähigkeit

Die strenge Regulierung in Europa und die damit verknüpfte, geringe Risikobereitschaft unter Banken schmälert die Chancen auf eine Kreditzusage erheblich. „Von den kleinen Unternehmen (bis 1 Mio. EUR Umsatz) melden 24,4 % Schwierigkeiten beim Kreditzugang“, so die Zusammenfassung einer Unternehmensbefragung der KfW Bankengruppe zur Stimmung auf dem Kreditmarkt 2018. Damit beklagen im Vergleich zu Konzernen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz etwa 14-mal so viele Kleinunternehmen entsprechende Probleme. „Junge Unternehmen (weniger als sechs Jahre alt) berichten mit 25,9 % noch häufiger über Schwierigkeiten bei der Kreditaufnahme“, so die KfW-Bankengruppe weiter. Obwohl die Stimmung auf dem Kreditmarkt laut KfW-Befragung „ungebrochen gut“ ist, sind kleine sowie junge Betriebe bei der Kreditvergabe im Nachteil. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam der führende Kreditversicherer Euler Hermes in einer Studie, die Anfang April veröffentlicht wurde. “In Europa fehlen rund 400 Milliarden Euro”, zitiert das Börsenportal wallstreet:online den Chefanalysten Kai Gerdes in einem Artikel über die Kreditvergabe im Mittelstand. Angesichts des aktuell niedrigen Zinsniveaus sei dies eine durchaus überraschende Erkenntnis.

Wie der KfW-Kreditmarktausblick März 2019 bestätigt, sind die Lockerungen bei Kreditbedingungen inzwischen zum Stillstand gekommen. Diverse Unsicherheiten wie Brexit und Handelskonflikte dürften in den kommenden Monaten dazu führen, dass Banken Vorsicht bei der Kreditvergabe walten lassen und Unternehmen bei Investitionsentscheidungen zurückhaltend agieren. Welche Auswirkungen die problematische Kreditsituation auf den Mittelstand haben wird, bleibt abzuwarten. Fest steht, dass mangelndes Wachstum, Personalabbau und eine geschwächte Wettbewerbsfähigkeit nicht zu unterschätzende Folgen sein können.

Gut vorbereitet ins Bankgespräch

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Betriebe, die klassische Bankkredite bevorzugen, müssen sich auf Kreditverhandlungen sorgfältig vorbereiten. Folgende Tipps können bei Planung und Gesprächsführung helfen:

  • Bonität: Die Konditionen eines Kredits und die Frage, ob dieser überhaupt gewährt wird, hängen maßgeblich von der Bonität ab. Umso glaubwürdiger sich diese belegen lässt, desto höher die Erfolgschancen. Die Bank muss nachvollziehen können, dass der Betrieb laufende Kosten wie Gehälter, Steuern, Versicherungsprämien, Miete und Ähnliches trotz Tilgung stemmen kann.
  • Zeit: Unternehmen, die Kapital benötigen, sollten bis zur Auszahlung der Kreditsumme ausreichend Zeit kalkulieren und entsprechend frühzeitig einen Kreditantrag stellen. Im Idealfall wird das Bankgespräch bereits geführt, wenn die betrieblichen Anlagen ausgelastet und die Auftragslage gut ist. Das weckt Vertrauen in die Wirtschaftlichkeit der Unternehmung. Auch für die Vorbereitung auf die Verhandlung sollten Verantwortliche genügend Zeit einplanen.
  • Kompetenz: Je kompetenter ein Unternehmer gegenüber dem Bankberater auftritt, desto besser. Kaufmännisches Hintergrundwissen, eine professionelle Darlegung der Fakten und das Demonstrieren von Verantwortungsbewusstsein sind ein Muss. Zudem sollte die Bank den Eindruck gewinnen, dass sich der Unternehmer realistisch mit den Zahlen auseinandergesetzt und Risiken einbezogen hat.

Mit geeigneten Sicherheiten lässt sich eine schwache Bonität bis zu einem gewissen Maß ausgleichen. Wichtig ist, dass die Sicherheiten gut verwertbar und wertstabil sind. Immobilien in attraktiver Lage, Ausfallbürgschaften bei einer der öffentlich-rechtlichen Bürgschaftsbanken, solide Bausparverträge oder Lebensversicherungen sind denkbare Optionen. Für ein vielversprechendes Bankgespräch ist es empfehlenswert sämtliche Sicherheiten, Angaben zur Liquidität, Bonität und zur zeitlichen Planung der Tilgung mit Hilfe von Dokumenten schlüssig darzulegen. Weitere Tipps sind dem Leitfaden für Finanzierungsgespräche der Industrie- und Handelskammer Baden-Württemberg zu entnehmen.

 

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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