Hamburg – Wer verdient was in Deutschlands drittgrößter Branche, der Logistik? Und mit welchen Benefits können Unternehmen bei Kandidaten punkten? Deutschlands erste Job-Matching-Studie nimmt nicht nur die aktuellen Gehälter von Logistikern über alle Branchen hinweg unter die Lupe. Sie zeigt auch, welche Skills am meisten gefragt sind und was Beschäftigten heute wichtiger ist als Geld.

Gehaltsreport für Logistik-Jobs zeigt worauf Arbeitnehmer Wert legen

Quelle: 3F Kommunikation/Bundesvereinigung Logistik (BVL)

Es ist mehr als ein Gehaltsvergleich: Mit der Auswertung von 1963 Kandidaten-Profilen und 628 Vakanzen hat das Job-Matching-Portal BirdieMatch (www.birdiematch.de) eine detaillierte Job-Analyse von Berufsgruppen in der Logistik vorgenommen. Damit existiert erstmals eine rein auf die Logistik bezogene Auswertung der aktuellen Verdienst- und Arbeitsplatzsituation von Beschäftigen in Deutschlands drittgrößter Branche.

„Bislang wurden Logistiker immer in einen Topf mit anderen Dienstleistungsbranchen geworfen“, moniert BirdieMatch Geschäftsführer Josef Schindler. „Trennscharfe Aussagen zum Verdienst nach Position, noch dazu in bestimmten Berufsgruppen wie Disponenten oder Vertriebler, lagen bislang nicht vor.“

Die Ergebnisse der anonymen Onlineauswertung von Fach- und Führungskräften, die über BirdieMatch einen neuen Job in der Branche suchen, werden in dem Gehaltsreport den Such-Kriterien von Unternehmen gegenübergestellt, die ebenfalls auf der Job-Matching-Plattform registriert sind und nach Kandidaten suchen. Das Besondere: Neben Wunsch und Wirklichkeit bei der Höhe des Gehalts werden auch Kriterien abgeglichen, die Kandidaten bei der Job-Wahl am Herzen liegen: Flexible Arbeitszeiten, Home Office und weitere Aspekte, die bei der Entscheidung für einen neuen Arbeitgeber eher im „weichen Bereich“ zu finden sind. Erhebungszeitraum für die Studie ist das vierte Quartal 2017.

Beim durchschnittlichen Bruttojahresgehalt (ohne Boni und Tantiemen) liegen Niederlassungsleiter mit 85.643 Euro an der Spitze; Leiter Operations verdienen im Schnitt 84.722 Euro, Vertriebsleiter 82.917 Euro; Lagerleiter (45.066 Euro) und der Leiter Fuhrpark (44.545 Euro) liegen im Mittelfeld; Schlusslicht bilden mit 31.182 Euro Mitarbeiter im Lager und Fahrer (25.278 Euro).

Frauen verdienen in der Logistik deutlich schlechter als ihre männlichen Kollegen. Auf Abteilungs- und Bereichsleiterebene liegt ihr Bruttojahresgehalt im Mittelwert bei 55.833 Euro im Jahr, wohingegen Männer mit 78.531 Euro fast 23.000 Euro mehr nach Hause bringen. Dahinter steht nach Meinung von Bernd Vögele, Personalberater in Hamburg und Mitgeschäftsführer von BirdieMatch, häufig auch „falsche Bescheidenheit“. „Bemerkenswert ist, dass die Gehaltswünsche der Kandidatinnen für ihren ersten Job nach der Ausbildung oder nach dem Studium deutlich niedriger liegen als die der männlichen Bewerber“, so Vögele, der dies zum Teil auf eine kritische Selbsteinschätzung der weiblichen Berufseinsteiger zurückführt.

Auch das Gefälle zwischen West und Ost ist in der Logistik nach dem Ergebnis der Studie ausgeprägt. Ein Vertriebsmitarbeiter im Westen streicht 70.972 Euro ein, sein Berufskollege im Osten muss sich in derselben Position mit 47.500 Euro begnügen.

Neben den Gehaltswünschen sind es die Herzenswünsche der Kandidaten, mit denen Unternehmen bei der Besetzung ihrer Vakanzen punkten können. „“Heart Skills“ stehen hoch im Kurs“, sagt Vögele. „Aus diesen Benefits lassen sich Möglichkeiten ableiten, mit denen Unternehmen – abgesehen von Jobbeschreibung, Gehalt und Arbeitsort – neue Mitarbeiter gewinnen können.“

Flexible Arbeitszeiten und Home Office sind begehrt

Hier lässt der Gehaltsreport von BirdieMatch Handlungsbedarf erkennen. So wünscht sich fast ein Drittel aller Kandidaten (31,7%), die einen neuen Job in der Logistik suchen, flexible Arbeitszeiten. Tatsächlich bieten bislang lediglich 23 Prozent der Arbeitgeber in der Logistik ihren Mitarbeitern diese Option. Noch weiter gehen Wunsch und Wirklichkeit beim Home Office auseinander: Während 17,8 Prozent der Jobsuchenden gerne die Möglichkeit hätten, zeitweise von zu Hause aus zu arbeiten, gewähren dies derzeit nur 6,3 Prozent der Unternehmen. Und obwohl der Firmenwagen bei 21,1 Prozent der Bewerber begehrt ist, wird er den Mitarbeitern nur in 12,9 Prozent der Fälle – abhängig von der Gehaltsklasse – angeboten: Erst für Positionen ab einem Jahreseinkommen von mehr als 50.000 Euro bringt der Großteil der Unternehmen diese Option ins Spiel.

Auf viele vermeintliche Vorteile, mit denen Unternehmen um neue Mitarbeiter werben, springen diese hingegen nicht an. Obwohl 21,7 Prozent der Firmen die freie Internetnutzung als Benefit herausstellen, interessieren sich nur 11,3 Prozent der Kandidaten für dieses Angebot. Eklatant ist das Desinteresse an Mitarbeiter-Events, die von 27 Prozent der Unternehmen angeboten werden: nur 5,8 Prozent der Jobsuchenden träumen auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber von der kollektiven Sause.

Quelle: 3F Kommunikation/Bundesvereinigung Logistik (BVL)

Veröffentlicht von:

Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou
Despina Tagkalidou ist Mitglied in der MiNa-Redaktion und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer.
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