Wirtschaft

Alstom-Chef Sion: Digitalisierung führt die Bahn in ein goldenes Zeitalter – Innotrans in Berlin

Für den Chef des TGV-Herstellers Alstom, Martin Sion, erlebt die Eisenbahn mit der Digitalisierung gerade ihre vierte Revolution nach ihrer Erfindung, ihrer Elektrifizierung und der Einführung von Hochgeschwindigkeitszügen.

„Die digitale Revolution wird dazu führen, dass der Zug in ein goldenes Zeitalter eintreten wird“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Mit dieser Botschaft ist Sion nach Berlin gereist, wo an diesem Dienstag mit der Innotrans die weltgrößte Messe für Verkehrstechnik startet. Alstom will dort unter anderem einen Zug vorstellen, der ferngesteuert ohne Lokführer an Bord zur Wartung ins Depot fahren kann.

Alstom-Chef Sion: Digitalisierung führt die Bahn in ein goldenes Zeitalter

„Die Digitalisierung ermöglicht es, auf bestehender Infrastruktur deutlich mehr Züge fahren zu lassen und die Bahn noch zuverlässiger zu machen“, sagte Sion. Züge seien wirklich „Hochleistungstechnologie“. Knapp 750 Millionen Euro bei etwas mehr als 19 Milliarden Euro Umsatz investiere Alstom in Forschung und Entwicklung – Tendenz ebenso wachsend wie die Branche allgemein. „Die Bahnindustrie verzeichnet jedes Jahr ein Wachstum von über fünf Prozent“, so Sion. Ob Dekarbonisierung, das geopolitische Umfeld mit der Hinwendung zu Verkehrsträgern, die nicht vom Öl abhängig sind, oder völlig überlastete Megastädte in vielen Regionen der Welt: Die Schiene boome.

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„Ich bin gerade aus Indien zurückgekommen, und die Begeisterung für die Bahn ist fast überall unglaublich, egal, wohin ich komme“, erklärte Sion. Und Europa nehme in der Zugindustrie eine „industrielle Führungsposition“ ein. Doch wie in anderen Bereichen dürfe man auch hier nicht länger „naiv“ sein gegenüber Herstellern aus anderen Regionen, will heißen China. „Es braucht faire Wettbewerbsbedingungen gegenüber Akteuren, die von Subventionen oder anderen staatlichen Hilfen profitieren“, sagte der Alstom-Chef in Bezug auf öffentliche Ausschreibungen von Zügen und Signaltechnik. Zudem brauche es mehr Standardisierung im europäischen Schienenverkehr.

Während ein Flugzeug ein rundum standardisiertes Produkt sei, seien die Zertifizierungs- und Zulassungsverfahren für Züge in jedem europäischen Land unterschiedlich, mahnte Sion. „Am schlimmsten ist es bei den Lokomotiven. Wir haben eine Lokomotive, die in 17 Ländern fahren kann. Jedes Mal, wenn wir ein Land hinzufügen wollen, müssen wir ein zusätzliches Elektronikmodul einbauen und Millionen Euro ausgeben, um sie neu zu zertifizieren“, beklagte Sion. Im Eisenbahnbereich herrschten „nach wie vor extrem nationale Ansätze“. Dabei habe die Schiene auch eine sicherheitspolitische Bedeutung. Im Verteidigungsfall sei der flüssige Verkehr von Zügen durch Europa entscheidend.

Foto: Regionalzug von Alstom (Archiv) / Bild: via dts Nachrichtenagentur

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