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Wirtschaftsforscher erwarten nur mäßigen Aufschwung

Berlin. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten nur einen mäßigen Aufschwung in Deutschland in diesem Jahr. Der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Wolfgang Franz, rechnet mit einer Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts «in der Größenordnung von rund 1,5 Prozent». Allerdings sei die konjunkturelle Entwicklung «nach wie vor durch erhebliche Unsicherheiten geprägt», sagte Franz am Montag der Nachrichtenagentur ddp.

Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Christoph M. Schmidt, erwartet ein Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent in diesem und von 1,6 Prozent im kommenden Jahr. Er betonte in einem ddp-Interview: «Der Tiefpunkt der Rezession dürfte zwar hinter uns liegen, aber der Aufschwung nur zögerlich sein, da viele Faktoren belastend wirken.»

Nach Einschätzung des Präsidenten des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, dürfte sich die Konjunktur in diesem Jahr in Deutschland zwar nach einem «schwachen Start» wegen der schlechten Witterung erholen. Das «Expansionstempo» bleibe aber insgesamt moderat. Dies liege auch daran, «dass die Konjunktur bei den Handelspartnern, vor allem im übrigen Euroraum, nur schleppend vorankommt». Snower fügte in einem ddp-Interview hinzu: «Von daher werden die Exporte nicht gerade stürmisch zulegen.»

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sagte: «Es geht in diesem Jahr bergauf – aber nur sehr schleppend.» Es fehle «an kräftigen Impulsen – sowohl bei den Exporten als auch bei der Binnennachfrage sind sie nicht zu sehen». Ferner gebe es weiterhin Unsicherheiten auf den Finanzmärkten, wie die Griechenland-Krise gerade gezeigt habe.

Zimmermann fügte in einem ddp-Interview hinzu, in der Beschäftigungspolitik habe man in diesem Jahr noch mit Spätfolgen des Konjunktureinbruchs zu kämpfen. Dabei liefen «die Kurzarbeiterregelungen, die erfolgreich als Puffer gewirkt haben, nach und nach aus». Dennoch dürfte die durchschnittliche Zahl der registrierten Erwerbslosen «im Jahresschnitt nicht weit über die Marke von 3,5 Millionen hinausgehen».

Franz betonte: «Die Anzahl der registrierten Arbeitslosen dürfte um weniger steigen, als noch vor einigen Monaten erwartet – je nachdem, in welchem Umfang die Unternehmen sich weiterhin interner Flexibilisierungsmaßnahmen wie etwa der Kurzarbeit bedienen.» Die jahresdurchschnittliche Anzahl registrierter Arbeitsloser «dürfte etwas über 3,5 Millionen liegen», sagte der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Franz fügte hinzu: «Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt stellte die Überraschung des Jahres 2009 dar, weil mit einem weit höheren Anstieg der Arbeitslosigkeit gerechnet wurde.» Es sei aber «schwer vorauszusehen, wie die Unternehmen im Jahr 2010 reagieren werden».

Auch Schmidt betonte, der Arbeitsmarkt sei in der Krise «bemerkenswert robust» gewesen. Dazu hätten drei Faktoren beigetragen. So hätten die Unternehmen inzwischen «beträchtliche Möglichkeiten, innerhalb der Tarifverträge die individuelle Arbeitszeit der wirtschaftlichen Lage anzupassen, sei es durch Arbeitszeitkorridore, sei es durch Zeitkonten». Zweitens sei der Dienstleistungssektor bisher von der Krise kaum betroffen gewesen – «hier entstanden sogar noch zahlreiche Jobs, oft auf Teilzeitbasis».

Drittens habe die Kurzarbeit vielen Unternehmen geholfen, die schwierige Zeit zu überbrücken. Schmidt fügte hinzu: «Das alles bedeutet aber auch, dass die Unternehmen bei einem Aufschwung ihre Flexibilisierungsmöglichkeiten in die andere Richtung ausnutzen, dass also erst einmal der vorhandene Personalbestand besser genutzt wird, bevor neue Jobs entstehen. Ein Aufschwung dürfte daher erst spät am Arbeitsmarkt ankommen.»

Snower sagte, derzeit stabilisiere sich die Zahl der Beschäftigten. Der IfW-Präsident fügte hinzu: «Im weiteren Verlauf des Jahres könnte sie mit leicht anziehender Konjunktur sogar leicht steigen, und entsprechend wird die Arbeitslosigkeit ihren Höhepunkt überschreiten. Sollte es jedoch zu einem konjunkturellen Rückschlag kommen, dann würde die Arbeitslosigkeit steigen.»

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