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Vom Fachkräftemangel profitieren

Der Fachkräftemangel grassiert mittlerweile in fast allen Branchen und hat sich durch die Coronapandemie noch einmal verschärft. Während dies zur Gefahr für das Wachstum der Volkswirtschaft werden kann und schon jetzt jedes Jahr um die 40 Milliarden Euro kostet, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer profitieren. Je nach Branche und Region sind Fachkräfte gefragt wie nie.

Betroffene Branchen

 

Betroffen sind vor allem Berufe in der Pflege, in der Sozialarbeit und der Pädagogik. Notorisch unterbesetzt sind ebenfalls die IT-Branche und das von Nachwuchsproblemen geplagte Handwerk. Überdies werden nach wie vor Ingenieure in allen Bereichen und Studienabsolventen in den sogenannten MINT-Fächern gesucht.

 

Von einer Mangellage, also einem Überschuss an Jobangeboten über die verfügbaren Arbeitskräfte hinaus, sprechen derzeit bereits Vertreter von zwei Dritteln aller Berufe. Mittlerweile kommen zu den altbekannten Kandidaten immer neue Branchen, die sich über den Arbeitskräftemangel beklagen oder von Schwierigkeiten berichten, an geeignete Bewerber zu kommen und diese dann auch zu einem Vertragsabschluss zu überzeugen.

 

Sogar die prestigeträchtige Automobilindustrie mit ihrer weitverzweigten Zulieferindustrie kann ihren Arbeitskräftebedarf derzeit trotz guter Branchenlöhne und hoher Arbeitsplatzsicherheit nicht vollständig decken. Man geht davon aus, dass in der Automobilindustrie etwa 160.000 Stellen für Fachkräfte unbesetzt bleiben, weil sich keine geeigneten Bewerber melden.

 

Bei diesen Stellen handelt es sich zwar zu einem großen Teil um Stellen aus dem hoch qualifizierten Bereich, etwa der Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Allerdings werden Mitarbeiter auch in der Produktion und im Produktionsumfeld gesucht. Dennoch gestaltet sich der Einstieg schwieriger, als bei der Marktlage zu erwarten, denn viele Unternehmen haben relativ hohe Ansprüche, die Quereinsteiger und Berufsrückkehrer nicht immer erfüllen können.

Einstieg durch Arbeitnehmerüberlassung

 

Fachkräftemangel herrscht vor allem in der Pflege und im Handwerk.
Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

Die Zurückhaltung bei den großen Unternehmen erklärt sich mitunter aus den relativ hohen Ansprüchen an Bewerberinnen und Bewerber, aber auch aus den Zukunftsaussichten der Chefetagen. Insbesondere der Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor, die nächste Welle der Automatisierung sowie die Aussicht auf eine Rezession und schwindende Kaufkraft führen unter anderem in der Automobilindustrie zu einer zögerlichen Einstellungspolitik. Auch im Tourismus- und Gastronomiegewerbe, im Handwerk oder im Lager oder Logistik Bereich bevorzugen viele Unternehmen eine Arbeitnehmerüberlassung gegenüber einer Direktanstellung.

 

Bei Zeitarbeitsfirmen oder Personaldienstleistern finden Bewerber weitaus geringere Hürden vor, da diese den Unternehmen die nötige Flexibilität verschaffen und sie trotzdem mit geeigneten Arbeitskräften versorgen. Mittlerweile kann man dort sogar genauso gut verdienen wie in den ausleihenden Unternehmen und findet auch sonst ähnliche Arbeitsbedingungen vor. Bei entsprechender Leistung ist nach einer ersten Phase der Arbeitnehmerüberlassung außerdem mit einer Übernahme zu rechnen.

 

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Ursachen des Fachkräftemangels

 

Der Fachkräftemangel hat viele Ursachen. Nicht zuletzt sind auch die Ansprüche der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gestiegen, was Phänomene wie das Quiet Quitting oder die innere Kündigung bei Beschäftigten anschaulich verdeutlichen.

 

In eine ähnliche Richtung verweist der Trend zur Akademisierung. Immer mehr Menschen eines Jahrgangs besuchen nach der Schule noch eine Universität oder eine Fachhochschule und erwarten sich davon bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Sie streben daher mittlere und höhere Angestelltenpositionen an und stehen dem Handwerk oder der Industrieproduktion nicht mehr als Arbeitskräfte zur Verfügung.

 

Die weitaus bedeutendste Einzelursache ist jedoch in der Veränderung der deutschen Bevölkerungsstruktur zu sehen. Zurzeit gehen die letzten geburtenstarken Jahrgänge, die sogenannten Babyboomer, in Rente und Pension. Diese Generation war in Deutschland die letzte, die mindestens zwei Kinder bekommen hat. Nachkommende Generationen haben eine Geburtenrate von etwa 1,7 Kindern pro Frau und können daher dem Arbeitsmarkt nicht mehr genug Nachwuchs zur Verfügung stellen.

 

Im Extremfall wird sich die Bevölkerungspyramide, die derzeit eher einem Ball gleicht, umdrehen und nur noch sehr wenige junge Menschen werden ins Erwerbsalter nachrücken, während sehr viele ältere Menschen in den Ruhestand gehen. Schon 2030 kann es so zu einem Mangel von 3,9 Millionen Menschen im erwerbsfähigen Alter kommen und der Fachkräftemangel wird sich damit weiter verschärfen.

Gute Aussichten für Arbeitnehmer

 

Diese Mangellage wird auch durch Zuwanderung und eventuell leicht steigende Geburtenraten nicht mehr auszugleichen sein. Arbeitnehmer werden daher in vielen Branchen und Berufen sehr gefragt sein oder sind es jetzt schon. Arbeitgeber müssen sich daher attraktiver machen für die wenigen Bewerber, die in Zukunft auf den Markt kommen. Steigende Löhne bei einer Reduzierung der Arbeitszeit werden vermutlich eine Konsequenz der Konkurrenz um immer weniger Arbeitskräfte sein.

 

Und wenn man geeignete Bewerber gefunden hat, gilt es, sie an das Unternehmen zu binden und sie glücklich zu machen. Unternehmenskitas, umfangreiche Weiterbildungsangebote, eine reichhaltige Unternehmenskantine oder Vergünstigungen bei regionalen Partnern können in Zukunft den Wettbewerb um Arbeitskräfte entscheiden.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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