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Milchbauern präsentieren neue Marke «Die faire Milch»

Freising. Noch vor ein paar Monaten hatten Milchbauern im verzweifelten Kampf um faire Preise die Milch auf Felder versprüht. Doch der spektakuläre Protest blieb ohne Erfolg – nun gehen 120 Landwirte aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen einen anderen Weg: Sie vermarkten ihre Milch direkt als «faire Milch». «Erstmals bringen wir Bauern unsere Milch selbst auf den Markt», freut sich der Allgäuer Milchbauer Thomas Wetzler.

In Freising bei München wurde am Mittwoch die neue Marke «Die faire Milch» vorgestellt. Die erste Milch aus Bauernhand, gentechnikfrei, wie es hieß. Die Landwirte wollen nach eigenem Bekunden «den Marktablauf auf den Kopf stellen». Vermarktet wird die «faire Milch» über die Milchvermarktungs-GmbH MVS, eine Tochter des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM).

Seit Jahren kämpft der BDM um einen Milchpreis von mindestens 40 Cent pro Liter. Doch gerade mal die Hälfte davon konnten Milchbauern zuletzt erwirtschaften. So wurde denn die «faire Milch» als «eine der wichtigsten Etappen im Kampf um Fairness und Gerechtigkeit gegenüber Erzeugern und der bäuerlichen Landwirtschaft» gepriesen, aber auch als Vorteil für die Verbraucher.

Gemeinsam mit BDM-Chef Romuald Schaber präsentierte MVS-Geschäftsführer Jakob Niedermaier die neue Milchmarke. Ein Liter mit 1,8 Prozent Fettgehalt kostet 89 Cent, mit 3,8 Prozent Fettgehalt ist sie zehn Cent teurer. Der Preis sei «voll kostendeckend», sagte Niedermaier. Der Erlös für die Landwirte betrage 40 Cent pro Liter. Im vergangenen Jahr war der Auszahlungspreis für Rohmilch auf bis zu 19 Cent je Kilogramm gesunken.

Mit zahlreichen Bussen waren Landwirte zur Milch-Premiere nach Freising gekommen. Die Bauern wissen, dass es dieses Mal funktionieren muss. Zu oft schon war in der Vergangenheit versucht worden, Milch anders zu vermarkten als auf den eingefahrenen Wegen über Molkereien und Großhandel. «Die Molkerei ist bei uns ein Dienstleister, sie füllt in unserem Auftrag ab», sagte Karl Karrer aus Dankelsried im Unterallgäu, einer der vier Beiräte der MVS. Der Landkreis Unterallgäu gilt als der Kreis mit der höchsten Milchleistung in Deutschland.

Bauer Karrer weiß, dass es mit dem Massenprodukt Milch alleine auf Dauer kein Auskommen für die neuen Direktvermarkter geben wird. «Es sollen schon bald Butter, Joghurt, Quark und Käse aus fairer Milch folgen», kündigte er an. Den Milchbauern ist nicht entgangen, dass andere Versuche, die Milch aus Bauernhand abzusetzen, nicht zuletzt daran gescheitert sind, dass eben diese Milch nie zu Butter, Käse oder ähnlichen Produkten «veredelt» wurde.

Diesen Fehler wollen die 120 Milchbauern aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen nicht machen. Sie gehen fest davon aus, dass nicht nur die Verbraucher den Mehrpreis für ihre Milch gerne bezahlen. Sondern sie setzen auch darauf, dass die neue «faire Milch» in Kürze ihren Siegeszug quer durch Deutschland antreten wird.

Zunächst soll sie über rund 1200 REWE- und 300 Tegut-Filialen in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen vertrieben werden. Vor allem die Tatsache, dass man die Milch nicht von «Turbo-Kühen» produzieren lassen möchte, dass das gentechnikfreie Futter aus dem Umkreis der Höfe komme und dass es eine Milch mit vielen Omega-3-Fettsäuren sei, lässt die Organisatoren auf einen Erfolg hoffen.

Die Umweltorganisation Greenpeace unterstützt die Aktion. «Greenpeace ist begeistert», sagte deren Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. Die Bauern der MVS zeigten den Großmolkereien, wie man gute Milch auf den Markt bringe. Und der Bund Naturschutz appellierte an die Verbraucher, die neue Milchmarke zu kaufen. Damit werde auch ein Beitrag für den Erhalt der bayerischen Kulturlandschaft geleistet.

(die-faire-milch.de)

ddp.djn/wit/rab

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