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Handwerk will Nachwuchslücken mit ausländischen Lehrlingen schließen

Dresden. Das Handwerk will sich auf der Suche nach Auszubildenden stärker um Jugendliche aus osteuropäischen Ländern bemühen. In Zukunft müssten Handwerksbetriebe «auch über die Grenzen hinweg schauen», sagte der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Otto Kentzler, am Dienstag in Dresden. Jugendliche aus Polen oder Tschechien könnten helfen, die drohende Nachwuchslücke in den neuen Bundesländern zu schließen. Im Vergleich zu 2003 würden im kommenden Jahr in Ostdeutschland rund 115 000 Jugendliche weniger die Schule abschließen.

Offensiv um Lehrlinge will der Verband allerdings nicht werben. «Wir wollen das Signal geben: wir öffnen uns und sind bereit», sagte Kentzler. Eine Plakatkampagne in den Grenzregionen sorge aber nur für Unruhe. Zudem habe die polnische Handwerkskammer bereits signalisiert, dass deutsche Vertreter zurückhaltend auftreten sollten.

Als Vorbild für eine gelungene Kooperation sieht der Verbandschef ein Cottbuser Modell. Dort sollen Jugendliche aus Polen im kommenden Jahr in einem dreimonatigen Intensivkurs auf eine Ausbildung im deutschen Handwerk vorbereitet werden. Befürchtungen, wonach die Arbeitnehmerfreizügigkeit innerhalb der EU ab Mai 2011 zu einer größeren Konkurrenz führen könnte, trat Kentzler entgegen. «Es wird keine Welle über uns einbrechen», sagte der Verbandschef.

Angesichts sinkender Schülerzahlen warnte der Handwerksverband davor, weniger Geld in das Bildungssystem zu stecken. «Wenn sich die Zahl der Schulabgänger so drastisch reduziert, muss sich wenigstens ihre Qualität verbessern», sagte Kentzler. Freiwerdende Gelder müssten im Bildungsbereich bleiben und für eine bessere Aus- und Weiterbildung investiert werden.

Einen «Kampf um Lehrlinge» erwartet der Präsident der Handwerkskammer Dresden, Claus Dittrich, in den kommenden Jahren. Deshalb sei es nötig, über die Grenzen hinweg miteinander zu arbeiten, statt Mauern in Richtung Osten aufzubauen. Schon jetzt würden Lehrlinge aus Polen, Tschechien und Frankreich im Dresdner Raum Praktika absolvieren.

Bis Mai wurden nach Angaben des Deutschen Handwerks in den neuen Bundesländern 4082 Ausbildungsverträge abgeschlossen – 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr.

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