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Die Zukunft von Geschäftsreisen: Ersetzen Videokonferenzen Treffen vor Ort?

 

Die Corona-Pandemie hat neben touristischen Reisen auch Geschäftsreisen monatelang unmöglich gemacht. Die Reisebranche weltweit sah und sieht sich daher mit einer noch nie dagewesenen Krise konfrontiert. Das hängt allerdings nicht allein damit zusammen, dass interne Prozesse der Reiseindustrie auf den Kopf gestellt wurden. Vielmehr haben sich viele Unternehmen den veränderten Gegebenheiten schnell angepasst und setzen auf Video-Calls und Home-Office statt Geschäftsreisen und Büroarbeit. In einigen Bereichen ist sogar anzunehmen, dass sich der Video-Call-Trend mittel- bis langfristig durchsetzen wird.

Große Unternehmen setzen aktuell verstärkt auf Video-Calls statt Geschäftsreisen

 

Der Dichter Matthias Claudius wusste bereits im 18. Jahrhundert, dass der, der eine Reise tut, später etwas zu erzählen hat. Womit der Dichter damals noch nicht rechnen könnte: Auch derjenige, der Zuhause oder im Büro bleibt, kann heute per Videokonferenzen persönlichen Kontakt zu Geschäftspartnern und Mitarbeitern in der ganzen Welt aufnehmen.

 

Dass sich Geschäftsreisen durch Meetings und Konferenzen per Skype, Zoom oder mithilfe ähnlicher Anwendungen leicht ersetzen lassen, war auch vielen Unternehmen nicht bekannt. Bis 2019 stieg die Zahl der Geschäftsreisen daher kontinuierlich. Erst im Zuge der Pandemie sahen sich viele Unternehmen gezwungen, auf persönliche Treffen und damit auch auf Geschäftsreisen zu verzichten.

 

Dabei zeigte sich jedoch: Wird die Geschäftsreise durch eine Videokonferenz ersetzt, hat das einige Vorteile. Zum einen entfällt die unternehmensinterne und oft komplizierte Planung der Geschäftsreise weg. Zum anderen entfallen Reisekosten und das für viele Geschäftsreisende lästige Aufstehen noch vor dem Morgengrauen ebenfalls. Insbesondere dann, wenn Planungsaufwand, Zeitverlust und Kosten für Geschäftsreisen entstehen, bei denen das persönliche Treffen lediglich kurze Zeit gedauert hätte, stellt der Reise-Verzicht für viele Unternehmen und Mitarbeiter eine Verbesserung dar.

 

Es verwundert daher wenig, dass Unternehmen wie die Deutsche Post, Zalando, die Deutsche Telekom, Rheinmetall und Thyssenkrupp angekündigt haben, auch „nach Corona“ auf viele Dienstreisen verzichten zu wollen.

Pandemie als Katalysator für virtuelle Zusammenarbeit

 

In global agierenden Unternehmen sind Video-Calls und virtuelle Treffen schon lange Routine. Allerdings fungierte die Pandemie insbesondere in diesen Unternehmen sozusagen als Katalysator der virtuellen Zusammenarbeit. Das bedeutet: Insbesondere diejenigen, die Treffen per Video-Call bereits zuvor in ihre Arbeitsabläufe integriert hatten, setzen auch nach Wegfall vieler Reisebeschränkungen weiterhin auf virtuelle Zusammenkünfte.

 

In vielen Unternehmen ist der Umstieg auf die digitale Zusammenarbeit dabei nicht mit inhaltlichen Einbußen verbunden. In Anbetracht der Tatsache, dass der Verzicht auf Geschäftsreisen außerdem dabei hilft, Kosten zu sparen, möchten viele Unternehmen auch weiterhin auf digitale Tools statt Dienstreisen setzen.

Geschäftsreisen-Rückgang macht sich auch am Flughafen Frankfurt bemerkbar

 

Immer mehr Geschäftsreisen werden durch Meetings und Konferenzen per Skype, und Zoom oder mithilfe ähnlicher Anwendungen ersetzt.
Bildquelle: unsplash.com – Nutzer: Dennis Gecaj

Die steigende Impfquote sowie die Lockerungen im Reiseverkehr machen sich an Deutschlands größtem Verkehrsflughafen in Frankfurt am Main bemerkbar: Unlängst hatte der Frankfurter Flughafen die höchste Passagierauslastung pro Monat seit Pandemiebeginn zu verbuchen.

 

Allerdings wird die zunehmende Verwendung digitaler Lösungen bei der Unternehmenskommunikation auch in Frankfurt am Main sichtbar: Obwohl das Passagieraufkommen in Frankfurt am Main deutlich gestiegen ist und so viele Passagiere in Frankfurt (Main) starteten und landeten wie noch nie seit Beginn der Corona-Krise, ist das Verkehrsaufkommen insgesamt geringer. Insgesamt war das Verkehrsaufkommen im August 2021 sogar um die Hälfte geringer als vor der Krise im August 2019.

 

Ein Grund hierfür könnte sein: Der Flughafen Frankfurt ist nicht nur für Urlaubsreisende, sondern insbesondere für Geschäftsreisende besonders wichtig. Hierzu trägt der Umstand bei, dass sich neben besonders günstigen Flugangeboten von Frankfurt am Main aus auch besonders viele Direktverbindungen in wichtige internationale Metropolen finden lassen. Diese Verbindungen waren insbesondere für Geschäftsreisende von besonderem Interesse. Entscheiden sich viele Unternehmen aktuell gegen Geschäftsreisen, macht sich diese Entscheidung daher gerade am Flughafen Frankfurt am Main besonders deutlich bemerkbar.

Auch in Zukunft weniger Geschäftsreisen?

 

Untersuchungen zufolge könnte die vermehrte Nutzung von Video-Calls anstelle von Geschäftsreisen auch nach Ende der Pandemie anhalten. Das ist eine gute Nachricht für die Umwelt. Schließlich lassen sich so mehrere Millionen Tonnen Treibhausgase jährlich einsparen. Für die Reisebranche hingegen stellt der eventuell anhaltende Verzicht auf Geschäftsreisen keine gute Nachricht dar.

 

Allzu viel Grund zur Besorgnis besteht international allerdings nicht. Befragungen zufolge planen die meisten Unternehmen nämlich lediglich, auf besonders kurze Geschäftsreisen zu verzichten. Das bedeutet: Zukünftig werden viele Unternehmen wohl auf Dienstreisen, die früher mit kurzen Inlandsflügen oder einer Anreise mit dem Auto oder der Bahn verbunden waren, verzichten. Solche Reisen sollten meist nur kurze Zusammenkünfte von wenigen Stunden ermöglichen und lassen sich leicht und kostensparend durch Video-Calls ersetzen.

 

Längere Reisen, die international Geschäftstreffen ermöglichen sollen, stehen jedoch auch zukünftig in vielen Unternehmen bald wieder auf der Tagesordnung. Schließlich dienen diese Treffen meist dazu, internationale Kontakte zu knüpfen und eine vertrauensvolle Geschäftsbeziehung mit bisher unbekannten Partnern aufzubauen. Trotz vieler innovativer Möglichkeiten der digitalen Kommunikation ist jedoch gerade für diese Zwecke meist persönlicher Kontakt mit dem Geschäftspartner erforderlich.  

 

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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