Wer sich mit Photovoltaikmodulen bestückte Dächer von Gewerbeimmobilien wie Logistikhallen oder Supermärkten anschaut, stellt fest, dass häufig die Phtovoltaikanlagen einen Großteil des Dachs einnimmt. “Anfangs war die Einspeisevergütung für Strom aus Photovoltaikanlagen so hoch, dass es automatisch die beste Lösung war, die Dächer zuzupflastern”, erklärt Jan-Philip Eppel, Projektbetreuer beim unabhängigen Photovoltaikberater Terra Light. Doch die Vergütung ist über die Jahre stark gesunken. 2004 betrug sie fast 60 ct/kWh, aktuell sind es nur noch etwa 11 ct/kWh.

Dennoch würden die Photovoltaikanlagen immer noch so groß geplant wie früher. Das bestätigt Tajo Adler, Geschäftsführer des ebenfalls unabhängigen Energieberaters Adler Smart Solutions: “Die Installateure drängen zu größtmöglichen Anlagen.” Eine mögliche Ursache sieht Eppel in einem “Interessenkonflikt”. Viele Berater für Photovoltaik seien gleichzeitig Anbieter der Anlagen und verdienten mehr daran, wenn mehr Material verbaut wird. Sie versuchten, ihre Kunden mit sehr optimistischen, aber hoch spekulativen Prognosen zur Strompreisentwicklung zu überzeugen.

Die Überdimensionierung geht Eppel zufolge aber zulasten der Rendite des Anlagenbetreibers. Zwar sei es noch immer nicht möglich, mit Photovoltaikanlagen negative Renditen zu erzielen, doch zu große Anlagen brächten teils nicht mehr als 1% p.a. ein.

Eine maßgeschneiderte Anlage erzielt laut Terra Light dagegen deutlich höhere Renditen. Das von vier Studenten gegründete Hamburger Unternehmen errechnet den Anlagenbedarf softwarebasiert und garantiert seinen Kunden ab dem ersten Jahr nach der Inbetriebnahme eine Gesamtkapitalrendite von 5,5%. Dabei sind u.a. Kosten für Wartung und Versicherung berücksichtigt.

Sollte die versprochene Mindestrendite nicht erreicht werden, verzichtet der Berater auf sein Honorar. Um diese Garantie einhalten zu können, arbeitet der Vertrieb des Unternehmens selektiv. “Wir betrachten Photovoltaik als reine Investitionsanlage und legen deshalb den Fokus auf den Erfolg der Investition”, erklärt Eppel.

Die Investitionshöhe fällt nach einer Beratung durch Terra Light meist deutlich niedriger aus, als es die Anlagenanbieter gerne hätten. Der Projektbetreuer nennt ein Beispiel, in dem der Anbieter dem Kunden eine Anlage für 250.000 Euro empfohlen hatte, obwohl ein Konzept für 40.000 Euro eine deutlich höhere Rendite erzielt hätte. Terra Light richtet sich vor allem an mittelständische Kunden mit jährlichen Stromkosten zwischen 25.000 Euro und 450.000 Euro.

Adler Smart Solutions, ebenfalls aus Hamburg, setzt auch auf individuelle Lösungen: “Wir ermitteln für unsere Kunden die höchste Wirtschaftlichkeit bei maximaler Nutzung des selbst erzeugten Stroms”, erläutert Adler. Neben Anlagen, bei denen der Betreiber einen Teil des Stroms selbst nutzt, seien auch sogenannte Volleinspeiser wirtschaftlich zu realisieren. Adler betrachtet bei seiner Analyse u.a. den Stromverbrauch und Strombezugspreis, das Lastgangprofil der Nutzer in der Liegenschaft, die Anschlusskosten sowie die Dachausrichtung und die Dachneigung. “Zudem prüfen wir die Sinnhaftigkeit der Größe eines potenziellen Speichers und die zukünftige Nutzung der Liegenschaft gerade in Hinblick auf Elektromobilität”, ergänzt der Geschäftsführer.

Eppel steht sowohl Anlagengrößen, die sich ausschließlich auf den Eigenverbrauch stützen, als auch Speicherlösungen eher kritisch gegenüber. “Deckt die Anlagengröße nur den Eigenverbrauch, würden die anteiligen fixen Installationskosten pro Kilowatt in der Regel so stark ansteigen, dass die Investition aus wirtschaftlicher Sicht unattraktiv wäre”, merkt der Projektbetreuer an.

Speichersysteme seien aus Investorensicht noch zu teuer, um sie wirtschaftlich effizient nutzen zu können. Dazu müssten die Preise deutlich sinken. Zudem sieht Eppel bei den Speichern einen ähnlichen Interessenkonflikt wie bei den Anlagen selbst. Auch hier würden die Hersteller bzw. Berater eine Nutzung empfehlen. Gerade im Speichersegment seien für sie aktuell noch sehr hohe Margen zu erzielen.

Quelle: Terra Light

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Annalena Rüsche
Annalena Rüsche
Annalena Rüsche befindet sich aktuell in der Vorbereitung zum Studium. Sie absolviert in unserer Redaktion ihr Jahrespraktikum. Im Anschluss will Sie "Medienmanagement" studieren. In unserer Redaktion ist sie aktuell für den Newsdesk zuständig und hält Ausblick nach aktuellen und für unsere Leser wertvollen Informationen. Sie ist unter redaktion@mittelstand-nachrichten.de direkt erreichbar.
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