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Studie: Fachkräftemangel im Mittelstand beflügelt externe Beratung

Koblenz – 93 Prozent der deutschen Mittelständler sehen Bedarf für eine externe Beratung – vor allem im Bereich Online-Marketing. Für jede zehnte Firma ist die Beauftragung direkte Folge eines bestehenden Fachkräftemangels, für ebenso viele liegt sie in mangelnder Digitalkompetenz der Mitarbeiter begründet. Insgesamt beklagen mehr als vier von zehn Mittelständlern einen Fachkräftemangel. Das geht aus einer Befragung von 200 Führungskräften aus den Bereichen Marketing und Vertrieb in kleinen und mittleren Unternehmen im Auftrag von Baulig Consulting hervor.

41 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben derzeit Schwierigkeiten bei der Rekrutierung von Fachkräften und leiden unter unbesetzten Stellen oder fehlender Digitalkompetenz. Im Dienstleistungsbereich sind es sogar 64 Prozent der befragten Firmen, 31 Prozent aus dieser Branche können Stellen nicht besetzen. Dieser Personalmangel führt zu mehr externem Beratungsbedarf. Unternehmensberater müssen die Lücken in den Mitarbeiterkompetenzen schließen.

Mehr als jeder zweite Mittelständler plant konkret, sich im Marketingbereich beraten zu lassen oder tut dies bereits. 23 Prozent lassen sich derzeit extern beraten, 30 Prozent sind aktiv auf der Suche nach einer Beratung und haben bereits entschieden, eine beauftragen zu wollen.

Trend: fehlende Kompetenzen von außen einkaufen

„Weil Mittelständler bestimmte Kompetenzen, etwa im Bereich Digitalisierung oder Vertrieb, im eigenen Haus nicht finden, müssen sie diese Fähigkeiten extern einkaufen“, erläutert Markus Baulig, Geschäftsführer der digitalen Unternehmensberatung Baulig Consulting einen branchenweiten Trend. Jedoch haben noch nicht alle diesen Lösungsweg gefunden: Während zehn Prozent den Fachkräftemangel mit externer Beratung angehen, lässt ein höherer Anteil der Befragten die Stellen unbesetzt, schult intern Mitarbeiter, erhöht das Arbeitspensum bestehender Mitarbeiter oder verzichtet auf die erforderliche Digitalkompetenz.

„Unbesetzte Stellen und überarbeitete Mitarbeiter führen zuIneffizienz, die der fachkundige Blick von außen sehen und beheben kann“, so Baulig. „Doch Mittelständler brauchen nicht irgendeine Beratung, sondern langfristige Hilfe, zielgerichtet und mit System.“

Nachhaltige Hilfe mit System

Jeder dritte Mittelständler (32 Prozent) sagt, klassische Beratungsansätze mit Workshops und Konzepten würden sich nicht zur Lösung ihres Problems eignen. Jedes vierte Unternehmen hat diesbezüglich schlechte Erfahrungen gemacht. „Beratung muss mehr leisten als nur einen teuren Workshop, sie muss nachhaltig sein und Strukturen etablieren, die auch langfristig im Unternehmen Bestand haben. Auch Fragen die nach der Ergebnispräsentation im laufenden Betrieb auftreten, müssen kurzfristig und auf Augenhöhe beantwortet werden. So kann die Fachkräftelücke geschlossen werden, anstatt sie nur zu kitten“, so Baulig. Die moderne Technik bietet Möglichkeiten, auch ohne im Unternehmen vor Ort zu sein, Fragen per Videokonferenz, WhatsApp-Chat oder Sprachnachricht zu klären – zeit- und ortsunabhängig.

Bedürfnisse der Arbeitnehmer ändern sich

Sind derartige digitale Tools in der Firma implementiert, steigert dies auch die Attraktivität für Fachkräfte. „In Folge der Corona-Krise haben sich die Bedürfnisse vieler Arbeitnehmer verschoben. Sie suchen nach einem flexiblen, modernen Unternehmen und sind in der Pandemie wechselwillig geworden“, sagt Baulig. „Wenn Firmen digitaler aufgestellt sind, brauchen sie das Personal nicht unbedingt vor Ort. Damit kommen sie für viel mehr Fachkräfte in Frage, die nicht umziehen können oder wollen.“

Digitale Tools sind aber weit mehr als ein Kommunikationsinstrument. Sie dienen auch als Wissensspeicher – Kompetenzen sind nicht mehr an den Kopf eines bestimmten Mitarbeiters gebunden. Wenn also eine Fachkraft das Unternehmen verlässt, bleibt das Wissen erhalten. Genauso können neue Mitarbeiter selbst mit weniger Fachkenntnissen zügig und mit einem definierten Onboarding-Prozess eingearbeitet werden. „Der Schlüssel zum Erfolg sind standardisierte effiziente Systeme, die besonders im Marketing und Vertrieb für eine Skalierung der Prozesse und Umsätze sorgen. Wenn Prozesse automatisch ablaufen, Kundenwissen zentral verfügbar ist und Vertriebstermine über Onlinekanäle einlaufen, ist der Mittelständler weniger abhängig vom schwer verfügbaren Personal“, erläutert Markus Baulig.

Über die Studie

Für die im Oktober 2021 veröffentlichte Studie „Vertrieb und Marketing im Mittelstand“ wurden bundesweit 200 Inhaber, Geschäftsführer, Vertriebsleiter und Marketingverantwortliche aus kleinen und mittleren Unternehmen aller Branchen mit zehn bis maximal 250 Beschäftigten befragt. Die Online-Umfrage wurde vom Institut für Management- und Wirtschaftsforschung (IMWF) durchgeführt.

Quelle: Baulig Consulting GmbH

Veröffentlicht von:

Amei Schüttler
Amei Schüttler
Amei Schüttler ist Redakteurin bei den Mittelstand-Nachrichten und schreibt über innovative Produkte und die Macher im deutschsprachigen Mittelstand. Für Fragen und Anregungen nutzen Sie bitte folgende Kontaktdaten:
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