Große und mittelständische Unternehmen investieren vermehrt in flexible, skalierbare und intelligente Lagertechnik, und das nicht ohne Grund: Jüngste Innovationen in der Technologie versprechen eine immense Effizienzsteigerung in der Intralogistik und als logische Schlussfolge auch ein großes Umsatzplus. Aber die Verwendung von Transportfahrzeugen und Fördermaschinen erhöht nicht nur die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sie dient auch dem Erhalt des wichtigsten Assets jeder Firma: Die Mitarbeiterleistung. Denn trotz des rapiden Fortschritts sind auch heute menschliche Fachkräfte wie Kommissionierer nicht aus der Intralogistik wegzudenken.

Und so wie Hubwagen und Stapler regelmäßig geschmiert werden sollten, müssen auch die Angestellten geschont werden. Dadurch wird innovative Lagertechnik zu einem unabdingbaren Gesundheitsfaktor, den der Arbeitgeber nicht unterschätzen sollte. Schließlich wird laut Studien der Großteil der deutschen Beschäftigten bis zum Jahr 2020 über 55 Jahre alt und damit anfälliger für gesundheitliche Probleme sein.

Arbeiten im Stehen schadet dem Rücken

Rücken-, Muskel- und Skeletterkrankungen sind ein wichtiger Grund für den hohen Krankenstand in vielen Branchen. Wacker hält sich die Meinung, Büroarbeiter hätten den Hexenschuss wegen der Dauerbelastung im Sitzen gepachtet. Doch jeder zweite Beschäftigte in Deutschland muss oft oder immer im Stehen arbeiten – jeder siebte davon fühlt sich dadurch gesundheitlich nachhaltig belastet. Besonders betroffen ist der Bereich der Schwerarbeit, also solche Tätigkeiten, die mit dem Heben und Tragen von großen Lasten verbunden sind, und zu denen laut dem Bayerischen Forschungsverbund “FitForAge” auch die Kommissionierung zählt (den ganzen Bericht gibt es als PDF hier).

Bei Schwerarbeit kommen Schädigungen des Körpers häufig durch plötzliche, ruckartige und falsche Bewegungen zustande, ebenso durch Zwangshaltungen und rückenbelastendes Vorbeugen. Zwar müssen dank Handhubwagen, die in den meisten Lagern zum Standard gehören, Lasten zum Großteil nicht mehr vom Menschen bewegt werden. Viele Arbeitsschritte in Betrieben werden aber nach wie vor manuell ausgeführt. Nicht selten kommt es bei Mitarbeitern auch zu Selbstüberschätzung, der Weg zum Stapler erscheint zu weit, der Arbeitsdruck zu groß, und eine schwere Kiste wird “mal eben” mit purer Muskelkraft auf die nächste Packstation gehievt. Leistungseinschränkungen zeigen sich dann erst nach einiger Zeit oder beim nächsten Arztbesuch.

Entlastungsmethoden implementieren

Unternehmensführungen müssen mithilfe technischer Hilfsmittel aus der Lagertechnik und Arbeitsplatzeinrichtung dafür sorgen, dass die Belastung der Kommissionierer und Picker verringert wird. Die wichtigsten Ansatzpunkte für dieses Unterfangen sind folgende:

  • Reduzierung von Handhabungsvorgängen: Der praktische E-Hubwagen hat inzwischen in vielen Betrieben Einzug gehalten und wird von Arbeitgebern wie Arbeitnehmern geschätzt. Ebenso setzen sich immer mehr teil- oder gar vollautomatisierte System durch. So sind in einigen Amazon-Lagerhallen inzwischen Kommissionierungsroboter unterwegs, die Pickaufträge autonom durchführen.
  • Verhinderung von Zwangshaltungen: Nebst solcher Geräte, die den Warentransport von A nach B erleichtern, gibt es technische Lösungen, die den Arbeitsplatz von Kommissionierern und Verpackern ergonomischer gestalten können. Die auch als “Scherentische” bekannten Gabelhubwagen wie in dieser Ausführung verfügen über eine handbetriebene beziehungsweise elektrische Hydraulik, die Paletten und Behälter für leichteres Handhaben auf die ergonomisch korrekte Arbeitshöhe anhebt.
  • Entlastung der Rückenmuskulatur durch Sitz- und Stehgelegenheiten: Um eine einseitige Belastung des Bewegungsapparates zu vermeiden, ist ein ständiger Wechsel zwischen Stehen und Sitzen bei der Arbeit ideal. Nebst ergonomisch gestalteten Arbeitsdrehstühlen und Hockern nehmen pragmatische Stehhilfen deutlich weniger Platz ein, da zusammenklappbar. Dadurch können die kostengünstigen Hilfsmittel nahezu überall im Lager bereitgestellt werden, um Mitarbeiter zur Benutzung zu animieren. Ergonomische Tische und Werkbänke ergänzen den rückenschonenden Arbeitsplatz.

Abgesehen von den hier aufgeführten technischen Möglichkeiten kann die Firmenleitung noch eine Vielzahl von arbeitsorganisatorischen Maßnahmen etablieren. Ebenso sollten Mitarbeiter zum aktiven Rückentraining motiviert werden, das sie zu Hause oder direkt am Arbeitsplatz durchführen können.


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Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de

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