Das Problem Korruption ist zwar in Deutschland weniger dadurch bekannt, dass es beispielsweise in Behörden verankert ist, aber dennoch gibt es im unternehmerischen Umfeld immer mal wieder Vorfälle die ans Tageslicht geraten. Die Allgemeinheit verbindet Korruption meist mit Großkonzernen wie Siemens oder Volkswagen, mittelständische Unternehmen sind jedoch auch betroffen. Die Gründe dafür sind vielschichtig und der finanzielle Schaden nicht zu unterschätzen. Die Unternehmen selbst versuchen sich durch durch Prozessoptimierung gegen Korruption zu schützen, doch ob diese Maßnahmen auch hilfreich sind um Korruption langfristig zu unterbinden ist umstritten.

Alle Branchen betroffen

Kaum eine Branche ist gänzlich frei von Korruptionsfällen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Privatwirtschaft oder den öffentlichen Sektor handelt. Doch die Fälle die ans Licht der Öffentlichkeit gelangen sind verschwindend klein, die Dunkelziffer hoch. Dabei scheint die Angst davor entdeckt zu werden gering zu sein – es gibt zu viele Möglichkeiten / Gelegenheiten.

Alleine im Jahr 2014 so die offizielle Statistik verzeichnete das Bundeskriminalamt beinahe 20.300 Straftaten im Zusammenhang mit Korruption – diese Zahl macht deutlich wie hoch der wirtschaftliche Schaden angesichts der enormen Dunkelziffer ausfallen muss. Laut der BKA- Statistik sind besonders häufig das Dienstleistungsgewerbe, das Handwerk sowie die Baubranche und die Automobilindustrie von Korruption betroffen. Kleine mittelständische Betriebe bleiben hier nicht unerwähnt. Im großen Stil betrogen wird aber eher in den Chefetagen von Großkonzernen und Banken.

Quelle: Meditations/pixabay.com

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Fehlende Sensibilisierung

Ab wann ein “Geschenk” zur Bestechung wird lässt sich oft schwer festmachen. Oft sind Führungspersonen von Unternehmen so miteinander vernetzt, sodass der Übergang fließend ist, frei nach dem Motto: Eine Hand wäschst die andere. Gefälligkeiten sind die eine Sache, Veruntreuung von Kapital oder missachtete Treuepflichten eine andere. Oft sind Betrugsfälle oder die Verletzung von Treuepflichten schwer nachzuweisen und die Geschädigten bleiben auf ihrem Schaden sitzen. Manchmal jedoch kommen Betroffene dennoch zu ihrem Recht wie das Manager-Magazin in einem Artikel über HPC Capital berichtet. Leider sind derartige Meldungen eher die Ausnahme als die Regel.

Falsche Lösungsansätze

Das Problem lässt sich kaum allein durch Prozesse und Strukturveränderungen lösen, da es vielmehr von psychologischen und sozialen Faktoren innerhalb des Unternehmens bestimmt wird. Daher muss man, will man das Problem wirklich dauerhaft in den Griff bekommen, davon absehen Checklisten oder andere Formalitäten einzuführen, sondern vielmehr den Menschen als Ganzes in den Blick nehmen. Fehlendes Bewusstsein von Bestochenen und ein geringes Risiko der Strafverfolgung sind entscheidende Aspekte die verhindern dass Korruption der Nährboden entzogen wird.

Was kann man tun?

Eine Lösung wäre nach Einschätzung vieler Experten beispielsweise die Einführung einer spezialisierten Anti-Korruptions-Staatsanwaltschaft mit ausreichend Personal. Zudem ist es wichtig die Bevölkerung noch weiter in diesem Bereich zu sensibilisieren.

  • Wo fängt Bestechung an?
  • Wie sollte man sich verhalten falls man ein entsprechendes Angebot bekommt?
  • Was kann ich tun wenn ich den Verdacht gegen bestimmte Personen haben?

Diese Fragen sind gesamtgesellschaftlich zu beantworten wenn man Korruption effektiv eindämmen möchte. Korruption ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die im Geheimen und zumeist unter der Hand abläuft. Der wirtschaftliche Schaden der daraus entsteht betrifft letzten Endes jeden Bürger, denn am Ende ist es der Steuerzahler welcher die Zeche zahlt.

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Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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