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Angriff auf die Alteingesessenen

Deutsche Bahn vs. Fernbuslinien

Wien/Frankfurt am Main – Seit im Januar 2013 die Beschränkungen für den Busverkehr gefallen sind, freuen sich Verbraucher dank zahlreicher Fernbusanbieter über wachsende und günstige Möglichkeiten, von A nach B zu kommen. Weniger glücklich dürfte die Deutsche Bahn AG über diesen Trend sein. In der Halbjahresbilanz 2014 zeigte sich das Unternehmen mit den Entwicklungen des Fernverkehrs nicht zufrieden und berichtete hier von einem Rückgang an Reisenden.

Bildquelle: Paul Misar als Speaker auf der Buehne
Bildquelle: Paul Misar als Speaker auf der Buehne

Wie kann es der Bahn gelingen, die Reisenden wieder stärker für sich zu gewinnen und mit den Fernbuslinien mitzuhalten? Unternehmenscoach und Lifedesigner Paul Misar erklärt:

„Zwar bewertet die Deutsche Bahn das erste Halbjahr im Ganzen betrachtet positiv, doch der Fernverkehr bleibt ein wichtiges Standbein. Nach einer jahrelang nahezu konkurrenzlosen Situation muss sich die Deutsche Bahn nun seit einiger Zeit mit neuen Marktbedingungen befassen. Es stehen verschiedene Stellschrauben zur Verfügung, an denen das Unternehmen drehen kann, um wieder eine höhere Auslastung der Fernzüge zu erreichen: Dazu zählen etwa Preis und Serviceleistungen. Es kann aber auch helfen, die Zielgruppe neu zu definieren und beispielsweise zu überlegen, wie jüngere Menschen oder Geschäftsleute angesprochen werden. Es muss ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen werden, welches die Bahn im Vergleich zur Konkurrenz wieder attraktiver macht.

Um herauszufinden, worin dieses bestehen kann, empfehle ich, sich intensiv mit der Zielgruppe zu beschäftigen und folgende Fragen zu stellen:

  • Welche Kunden stärken unsere Zielgruppe?
  • Was wünschen sich die Kunden von uns?
  • Womit sind unsere Kunden zufrieden?
  • Und – noch wichtiger – wofür ernten wir Kritik?
  • Wie erfassen wir Kundenzufriedenheit?

In der heutigen Zeit mit zunehmender Vernetzung hilft hier insbesondere ein Blick in die sozialen Netzwerke, Foren und Verbraucherplattformen. Kritik als Anregung aufzunehmen und dadurch ins Positive umzuwandeln, ist eine Stärke von vielen erfolgreichen Unternehmen.

Darüber hinaus muss der Vorstand bei allen Entscheidungen genau abwägen, wo die Prioritäten liegen: So gehen etwa durch Personalkürzungen erzielte Einsparungen meist mit Reduzierungen des Service einher. Das Risiko für Abwanderungen zu anderen Alternativen steigt. Im Gegenzug dazu steigern jedoch mehr Mitarbeiter in Reisezentren und an Bahnschaltern die Kundenzufriedenheit erheblich. In diesem Bereich muss sich die Bahn auch die Frage stellen, wie sie es schafft, ihre Mitarbeiter weg vom Beamtendenken und hin zu freundlichen, engagierten Unternehmensverbesserern zu lenken. Übrigens lohnt sich dabei ein Blick auf eine andere Branche, die ebenfalls eine Konkurrenz für die Bahn darstellt: den Flugverkehr. Ob bessere Auswahl an Speisen und Getränken oder die Verfügbarkeit von Lifts oder Transportbändern für schweres Gepäck – Passagiere, die diesen Service kennengelernt haben, freuen sich auch bei anderen Verkehrsmitteln darüber. Erfahrungen zeigen, dass Kunden für umfassendere Dienstleistungen auch bereit sind, mehr zu zahlen.

Ich denke, wenn man gewisse Dinge nicht kurz- bis mittelfristig löst, wird die Bahn gegenüber Bussen und Fluglinien weiterhin Terrain verlieren.

Zusammengefasst: Während die Fernbuslinien sich durch günstige Fahrpreise hervorheben und vor allem die kostenbewusste Kundschaft ansprechen, sollte die Deutsche Bahn meiner Meinung nach verbesserte Serviceangebote schaffen. Sei es die bereits angekündigte schnelle und stabile Internetverbindung in IC- und ICE-Zügen, Pünktlichkeit, Gepäckservice, vereinfachte Platzreservierungen oder oder oder …“

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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