Dass sich das von der Bundesregierung verabschiedete Klimapaket nicht auf den Autohandel auswirken wird, wäre eine allzu einfache Sichtweise. Aber auch die Voraussage apokalyptischer Untergangsszenarien geht weit an den tatsächlichen Verhältnissen vorbei. Die Wirklichkeit liegt – wie so oft – in der ungefähren Mitte, mit der Tendenz hin zu den positiven Aspekten. Es ist richtig: Das Klimapaket schafft die eine oder andere Hürde bei den herkömmlichen Produkt- und Absatzszenarien. Auf der anderen Seite schafft die Hinwendung zu klimaneutraler Verkehrspolitik auch neue Chancen – E-Mobilität beispielsweise ist hier ein nicht zu unterschätzender Hoffnungsträger.

Das umfasst das Klimapaket

Nicht alle Elemente des Klimapakets wirken sich unmittelbar negativ auf den Autohandel aus. Das bestätigt auch ADESA, eine von Europas führenden Kfz-Handelsplattformen. So ist beispielsweise die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale ab 2021 eher eine konjunkturfördernde Maßnahme. Sie richtet sich an Autofahrer, die ihren täglichen Arbeitsweg mit dem Auto bewältigen und die ab dem 21. Kilometer 35 statt wie bisher 30 Cent pro gefahrenem Kilometer steuerlich geltend machen können.

Auch die geplante Anhebung der Finanzhilfen nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) für den öffentlichen Nahverkehr auf nun zwei Milliarden Euro ab 2025 werden sich wohl kaum spürbar auf die Absatzzahlen bei PKWs auswirken.

Bild von Darwin Laganzon auf Pixabay

Zwar können besser ausgebaute öffentliche Verkehrsmittel mehr Menschen vom Auto in Bahn, Bus und Tram holen, das aber nur auf Kurzstrecken und im regionalen Nahverkehr. Auch heute kaufen die meisten Menschen ein Auto wegen der damit möglichen Mischnutzung aus Kurz- und Langstreckenfahrten. Auch bei gut ausgebauten öffentlichen Verkehrsmitteln bleibt das Auto für viele Menschen unverzichtbarer Bestandteil des individuellen Mobilitätskonzepts.

Ähnliches gilt für das Vorhaben, durch Anpassung der Mehrwertsteuersätze das Bahnfahren billiger und durch Änderungen im Luftverkehrssteuergesetz das Fliegen teurer zu machen. Zweifellos wird das viele Autofahrten durch Bahnfahrten ersetzen. Doch gerade Menschen, die auf ihr Auto aus beruflichen Gründen angewiesen sind, werden auf die Option Auto nicht verzichten wollen. Als Alternative zur auf Fahrplänen und Verspätungsrisiken basierenden Bahn lassen sich mit dem eigenen Fahrzeug flexible und auf konkrete Anforderungen ausgerichtete Reisekonzepte zu verwirklichen.

Die größten Befürchtungen zu negativen Auswirkungen auf die Automobilindustrie durch das Klimapaket betreffen die anstehende Bepreisung von CO², mit der das klimaschädliche Gas ab 2021 belegt wird. Das wird zu Preiserhöhungen bei Benzin und Diesel führen, daran lässt sich nicht rütteln. Von anfangs 3 Cent pro Liter steigt der Preisaufschlag auf 9 bis 15 Cent ab 2026.

Dennoch besteht kein Grund zur Panik. Auch eine Verteuerung um 15 Cent pro Liter wird den Treibstoffpreis – basierend auf den heutigen Preisen – nicht in den Konsumverzichtsbereich treiben. Sicher werden Autofahrer ihr Nutzerverhalten überdenken und auf Fahrten verzichten, wenn alternative Angebote sinnvoll sind. Doch der Bedarf für das eigene Fahrzeug besteht unverändert weiter – befriedigt entweder durch den bewussten Einsatz klassischer Fahrzeuge oder durch den Wechsel zu E-Autos.

Mit den hohen Spritpreisen ist es wie mit dem Bier auf dem Oktoberfest. 1971 kostete eine Maß umgerechnet 1,25 Euro. 2019 ging sie zu 11,80 Euro über den Tresen – dennoch ist kein Platz in den Bierzelten leer geblieben. Es kommt eben darauf an, wie wichtig das Produkt ist – bei Bier und Benzin gleichermaßen.

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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