Technologie

Das Internet der Dinge und sein Mehrwert für deutsche Unternehmen: Ein Interview mit IoT-Experte Andreas Bös

Die Vernetzung von Gegenständen via Internet ist eine wesentliche Komponente der digitalen Transformation. Wie Unternehmen bereits vom Internet of Things (IoT) profitieren und wie sich entsprechende Technologien speziell auf die Versicherungsbranche auswirken werden, erklärt IoT-Spezialist Andreas Bös, General Manager von Conrad Connect.

Welche Relevanz hat das Internet der Dinge für den Standort Deutschland?

Das Internet der Dinge ist eine Schlüsseltechnologie des digitalen Zeitalters. Es hat Relevanz für Unternehmen aus fast allen Branchen – und zwar in zweierlei Hinsicht. Zunächst erlauben es IoT-Lösungen, neue Dienstleistungen, Produkte und digitale Geschäftsmodelle auf den Markt zu bringen. Weiterhin kann man das IoT nutzen, um Prozesse effizienter zu gestalten und zu automatisieren. Populäre Stichwörter sind in diesem Kontext etwa Industrie 4.0 und Smart Factory.

Das Internet der Dinge (IoT) ist eine Schlüsseltechnologie des digitalen Zeitalters.
Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Welche Branche kann aktuell am ehesten vom IoT profitieren?

Derzeit sehen wir, dass sich immer mehr Unternehmen mit konkreten IoT-Projekten auseinandersetzen. Dies gilt auch für den Mittelstand. 94 Prozent aller deutschen Unternehmen planen, sich mit dem IoT auseinanderzusetzen oder sind sogar schon aktiv dabei. Das besagt eine Studie von Crisp Research (Quelle). Am ehesten profitieren laut der Untersuchung derzeit die Bereiche Fertigung und Logistik. So werden IoT-Technologien beispielsweise besonders häufig dafür eingesetzt, den Automatisierungsgrad in der Fertigung zu erhöhen und Wartungskosten – etwa durch Predictive Maintenance – zu reduzieren. Auf Platz drei rangiert gemäß der Studie bereits der Bereich „Digital Insurance / Banking“.

Inwiefern kann das IoT in der Versicherungsbranche angewendet werden?

In der Versicherungsbranche gibt es derzeit zwei IoT-Anwendungsfelder, die besonders vielversprechend sind. Eines davon bezieht sich auf neue Kunden-Touchpoints und personalisierte Tarife. Hier geht es beispielsweise darum, alle zustands- oder sicherheitsrelevanten Aspekte seines Zuhauses zu überwachen. Dabei sollten die Apps es dem Kunden erlauben seine Geräte unabhängig von den verwendeten Marken auf einen Blick zu überwachen. Eine solche App bietet dem Kunden einen sehr attraktiven Zusatznutzen, der weit über die Verwaltung von Verträgen und Schadensmeldungen hinausgeht.

Das andere Anwendungsfeld beschäftigt sich damit, Betrugs- und Schadensprävention auf ein neues Level zu heben. In diesem Fall geht es vordergründig darum, bevorstehende Schadensereignisse mithilfe von IoT-Technologie in einem möglichst frühen Stadium zu erkennen und umgehend Maßnahmen einzuleiten, um das Schadensausmaß zu begrenzen. Tritt dennoch ein Schadensereignis ein, so können IoT-Lösungen hilfreiche Informationen zur Rekonstruktion des Schadenhergangs liefern. Hierdurch sinkt nicht nur der manuelle Aufwand im Schadenmanagement, sondern auch das Betrugsrisiko.

Gibt es bereits konkrete Situationen, bei denen das IoT in dieser Branche (in Deutschland) angewendet wird?

Das IoT wird von deutschen Versicherungen bereits in der Praxis genutzt. Das prominenteste Beispiel sind sicherlich die sogenannten Telematik-Tarife in der Kfz-Versicherung. Hier übermitteln IoT-Lösungen nicht nur tarifrelevante Daten wie die Kilometerlaufleistung eines Fahrzeugs. Auch das Fahrverhalten wird analysiert. Wer sich im Straßenverkehr umsichtig und regelkonform bewegt, wird mit Rabatten belohnt. Die Versicherung wiederum profitiert von sinkenden Schadenssummen aufgrund der Verhaltensoptimierung des Versicherungsnehmers.

Auch in der Gebäudeversicherung gibt es erste konkrete IoT-Projekte. Hier liegt der Fokus eher auf der Prävention. So bieten Versicherer mittlerweile Lösungen wie etwa IoT-basierte Schutz- und Überwachungssysteme für Wasserleitungen besonders preisgünstig an. Registriert das System Leckagen, wird das Wasser automatisch abgestellt. Außerdem wird der Versicherungsnehmer umgehend benachrichtigt. Wer den „Wasserwächter“ installiert, erhält zudem einen Rabatt auf seine Versicherungsprämie. Auch hier entsteht also eine Win-Win-Situation.

Was fehlt den etablierten Versicherungen hierzulande, um durch das IoT digitaler zu werden?

Um das Potenzial des IoT zu nutzen, benötigen deutsche Versicherungen einerseits mehr Know-how in Bereichen wie Telematik und smarter Gebäudetechnik, andererseits eine geeignete technische Infrastruktur. Insbesondere der Aufbau einer IoT-Plattform, auf der die vielfältigen Geräte verknüpft und die relevanten Services betrieben werden können, ist mit hohem finanziellem und personellem Aufwand verbunden.

Wer sich diesen Aufwand sparen möchte, kann auf IoT-Plattformen externer Anbieter, wie zum Beispiel Conrad Connect ausweichen. Hierbei werden alle IOT-relevanten Ressourcen und Services im sogenannten Platform-as-a-Service-Modell (PaaS) zur Verfügung gestellt. Mithilfe solcher Plattformen können auch völlig unterschiedliche IoT-Geräte miteinander interagieren und gemeinsam gesteuert werden.

Wichtig hierbei ist es, auf herstellerneutrale Lösungen zu setzen, um Geräte verschiedener Hersteller flexibel in das Versicherungsangebot integrieren zu können. Mit der Lösung von Conrad Connect wird das möglich. Dabei bietet das PaaS-Modell viele Vorteile: Durch die Integration in bestehende Applikationen sparen Kunden eine Menge Zeit und Geld, können sich auf ihr Kerngeschäft und die Entwicklung neuer (digitaler) Geschäftsmodelle konzentrieren. Die vernetzten Geräte inklusive der benötigten Algorithmen und Services werden im Hintergrund komplett von Conrad Connect gemanagt.

So wird es für Versicherungen zukünftig viel einfacher, vernetzte Geräte aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen einzubeziehen und die Vorteile des IoT für sich und ihre Kunden konsequent zu nutzen.

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