Frankfurt – Die Elektromobilität nimmt auch in Deutschland Fahrt auf. Leider gibt es für E-Mobilisten ein wahres Problem: Ladesäulen-Blockierer …

Ladesäulen-Blockierer nicht nur ein Thema für Ordnungsämter!

Die Energiewende wird nur dann funktionieren, wenn die sogenannten Sektorkopplung geschafft wird. Mit Sektorkopplung ist die Vernetzung der Energiewirtschaft auf allen möglichen Bereichen gemeint. Lag der Fokus am Anfang der Energiewende nur beim Thema Elektrizität und deren Erzeugung, steht nun der nächste Schritt an. Gerade die erneuerbaren Energien sorgen in bestimmten Wettersituationen (z.B. Sonnenwetter und sehr windig) für massive Energieüberschüsse in den deutschen Stromnetzen.

Mit einer Sektorkopplung könnten nun diese Energieüberschüsse aus Solarenergie und Windenergie u.a. auf den Verkehrssektor übertragen werden. Hierzu wird der Umstieg auf Elektromobilität benötigt, um diese Energieüberschüsse auf den Verkehr zu übertragen. Die deutschen Netzbetreiber bereiten sich aktuell auf diese Verkehrswende (in Bezug auf das Word Energiewende) vor und installieren im öffentlichen und nichtöffentlichen Raum Ladestationen für Elektroautos.

Das erfreut Besitzer von Elektrofahrzeugen, da die Nutzung an sehr vielen Ladesäulen derzeit noch kostenfrei ist und somit die Haushaltskasse gerade in Zeiten von Benzinpreise von 1,4o EUR bis 1,60 EUR sehr stark die Haushaltskasse entlastet. Da rechnet sich auch schnell der derzeit noch höhere Anschaffungspreis von Elektroautos. Selbst wenn der Autostrom bezahlt werden muss, ist Elektromobilität unschlagbar günstiger. Ein Renault ZOE verbraucht im Stadtverkehr ungefähr 13,5 KW/h auf 100 Kilometer.

E-Autos gewinnen im Verbrauchsvergleich!

Ein vergleichbarer Opel Adam 6,5 Liter Super E10 pro 100 Kilometer. Umgerechnet bedeutet das Fahrtkosten von 3,92 EUR (13,5 KW/h Ökostrom zu 0,29 EUR) beim Renault ZOE gegen Fahrtkosten von 9,10 EUR (6,5 Liter zu 1,40 EUR) bzw. 10,40 EUR (6,5 Liter zu 1,60 EUR). Die Ladestation für Elektroautos für zu Hause hat dann eine Festpreis-Garantie und entkoppelt den Fahrer vom Elektromobil von den “Preisspielchen” von ARAL, Shell und Co, die Verbrennungsautos zu typischen Tankzeiten teilweise enorm verteuern. Unterwegs ist der E-Mobilist jedoch auf verfügbare Ladestationen angewiesen, wenn der Weg in die heimische Garage außerhalb des aktuellen Akku-Ladzustand ist.

Für Autofahrer mit Verbrennungsmotor ist dieser Trend eher ärgerlich. Aus ihrer Sicht werden gerade an Orten, wo es sowieso schon zu wenig Parkplätze gibt meistens zwei wertvolle Parkmöglichkeiten geraubt werden. In diversen Internet-Foren findet sich bereits eine ganze “Community”, die zur Blockierung von Ladesäulen aufruft.

Am Frankfurter ZOO am Alfred-Brehm-Platz fanden wir einen Ladesäulen-Blockierer, der beide Lade-Parkplätze blockierte. Foto: Sven Oliver Rüsche

Am Frankfurter ZOO am Alfred-Brehm-Platz fanden wir einen Ladesäulen-Blockierer, der beide Lade-Parkplätze blockierte. Foto: Sven Oliver Rüsche

Auf der anderen Seite fehlt aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung aktuell ein roter Faden bei dem Thema Elektromobilität. Mit roten Faden ist die uneinheitliche Darstellung der Ladesäulen und der Parkplätze gemeint. In jeder Stadt wird das Thema anders behandelt. In einigen Orten werden diese Sonderparkflächen mit einer sehr großen grünen Farbmarkierung “sichtbar” gemacht.

Auch die Ladesäule ist sehr markant und groß zu sehen. In anderen Orten ist die Ladesäule eher klein und der Parkplatz nur mit einem kleinen Hinweisschild ausgestattet. Auf den ersten Blick ist das Problem, dass diese Ladesäulen-Blockierer dann mit ihrer unbedachten Fahrzeugabstellung verursachen, gar nicht direkt erkennbar. Gerade für Elektroautos mit kleinem Akku und entsprechend kleiner Reichweite ist die Verfügbarkeit von Ladesäulen eine existenzielle Angelegenheit.

E-Mobilisten planen ihre Reisen meistens punktgenau und haben aktuell auch nicht wirklich viele Ausweichmöglichkeiten. Entsprechend muss das Thema Ladesäulen-Blockierer in der Öffentlichkeit ankommen, damit die Verkehrswende und am Ende auch die Energiewende tatsächlich funktionieren kann.

Auch Elektroautos sind oft Ladesäulen-Blockierer

Es gibt aber auch scheinbar noch sehr viel Aufklärarbeit bei den Besitzern von Elektroautos. Im oberbergischen Kreis zum Beispiel, im Einkaufszentrum FORUM GUMMERSBACH, konnten wir beobachten, wie ein BMW Elektroautofahrer selber zum Ladesäulen-Blockierer wurde. Ja, der BMW Fahrer hat ein Elektroauto und darf entsprechend auf der Sonderparkzone im Parkhaus sein Fahrzeug abstellen. Aber nur für die reine Ladezeit.

Disziplin ist auch von Autos mit "E-Kennzeichen" notwendig, damit die E-Mobilität und Verkehrswende funktioniert. Hier ein Negativ-Beispiel aus dem Forum Gummersbach Parkhaus.

Disziplin ist auch von Autos mit “E-Kennzeichen” notwendig, damit die E-Mobilität und Verkehrswende funktioniert. Hier ein Negativ-Beispiel aus dem Forum Gummersbach Parkhaus.

Auf einem Foto kann man erkennen, dass das Elektrofahrzeug ohne Ladekabel einen wertvollen Ladeplatz blockiert. Dabei waren im ganzen Parkhaus noch hunderte Parkplätze frei! Der ladehungrige Fahrer vom Renault ZOE wurde dadurch genötigt, den benachbarten Frauenparkplatz zu belegen und hatte glücklicherweise ein sehr langes Ladekabel dabei, um doch noch die Ladesäule zu erreichen.

Elektromobilität neue Wertschöpfungsketten für den deutschen Mittelstand?

Elektromobilität gibt dem deutschen Mittelstand zahlreiche neue Innovationsmöglichkeiten und sehr viele Wertschöpfungsketten. Aktuell ist das Thema bei den Großen der Automotive-Branche scheinbar noch nicht angekommen. Sollte der Trend sich in überschaubaren Zeiträumen ändern, dann ist der Kampf gegen Ladesäulen-Blockierer bereits heute zu führen, damit die Verkehrswende auch wirklich funktioniert und nicht durch Ladefrust zum Misserfolg wird. Hier sind alle Marktbegleiter gefragt.

Nicht nur die Ordnungsämter oder Parkhausbetreiber, sondern auch die Fahrzeughersteller. Diese müssen dringend eine Imagekampagne starten, um das Bewusstsein bei allen Verkehrsteilnehmern zu schärfen. Aber auch die Hersteller von Ladesäulen sollten ihre aktuelle Strategie der Individualität überdenken. Ansonsten sind Ladesäulen auch in Zukunft nicht direkt erkennbar.

E-Tanke muss einheitlich erkennbar sein

Besser wäre eine klare Erkennbarkeit der Ladesäulen. Genau wie bei den Ladesteckern sich der Mennekes-Stecker vom Typ2 als Standard entwickelt hat, so sollten alle Ladesäulen in einer markanten Signalfarbe hergestellt werden, damit sich Ladesäulen-Blockierer nicht mehr damit rausreden können, dass sie die Ladesäule gar nicht wahrgenommen haben …

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Sven Oliver Rüsche
Sven Oliver Rüsche
Sven Oliver Rüsche ist Gründer der Mittelstand-Nachrichten und schreibt über Wirtschaftsverbände, Macher im Mittelstand, Produkte + Dienstleistungen, Digitale Wirtschaft und Familienunternehmer. Er ist als Journalist Mitglied im DPV Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V. / Mitgliedsnummer: DE-537932-001 / Int. Press-Card: 613159-537932-002. Er ist unter redaktion@mittelstand-nachrichten.de in der Redaktion erreichbar.

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