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Wirtschaftsstandort Litauen – Marktchancen für deutsche Mittelständler

Obwohl das Thema „Schuldenkrise“ derzeit die Eurozone dominiert, gibt es auch Lichtblicke, etwa im Baltikum. Denn Litauen hat im Weltwirtschaftsausblick des IWF aktuell den Sprung vom Schwellenland zur fortgeschrittenen Volkswirtschaft geschafft. Für 2015 rechnet der IWF mit einem BIP-Wachstum von 2,8 %, in 2016 sogar mit 3,2 %. Damit liegt Litauen deutlich über dem prognostizierten BIP-Wachstum der Eurozone von 1,5 % in 2015 bzw. 1,6 % in 2016. Einen Einblick in Litauens wirtschaftliche Dynamik gibt im Folgenden Mantas Katinas, General Manager der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Invest Lithuania.

Der Wirtschaftsstandort Litauen bietet mehr als niedrige Körperschaftssteuern und günstige Arbeitskosten:

Das seit 1991 unabhängige und seit 2004 zur EU gehörende Land hat seine Wettbewerbsfähigkeit in den vergangenen Jahren enorm verbessert. Die Weltbank reiht Litauen in ihrem „Doing Business Report 2015“ mittlerweile unter die Top 3-Standorte in Mittel- und Osteuropa. Hauptkriterien: Abwesenheit staatlicher Barrieren bei der Entfaltung unternehmerischer Aktivität sowie Geschäftsklima und Investitionsbedingungen. Im Vergleich der EU 28 rangiert Litauen auf dem neunten Platz. Auch das IMD World Competitiveness Ranking, internationales Referenzwerk in der Bewertung von Wirtschaftsstandorten, weist für das baltische Land eine stetige Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit aus: Litauen stieg um sechs Plätze auf Platz 28 (von 144 untersuchten Regionen) und führt nun die CEE-Region an. Vor allem in den Bereichen Bildung und technologische Ausstattung konnte das baltische Land punkten. Litauen investiert sehr gezielt in wissensintensive Branchen – ein Haupttreiber für sein starkes Abschneiden im EU-Bericht „Innovation Union Scoreboard“. Darin bescheinigt die Europäische Kommission, dass die Innovationsleistung Litauens innerhalb der letzten acht Jahre durchschnittlich um 2,6 % gestiegen ist. Damit liegt das baltische Land deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 1,7 %.

Vorteile durch Euro-Einführung

Weitere wirtschaftliche Impulse erhofft man sich in Litauen durch den Beitritt zur Währungsunion: Mit der Einführung des Euro am 1. Januar 2015 wurde Litauen zum 19. Mitglied der Eurozone. Vorteile zeigen sich bereits dadurch, dass Wechselkursrisiken und Umtauschkosten nun entfallen. Darüber hinaus haben sich Kreditkonditionen für Firmen am Wirtschaftsstandort Litauen zusätzlich verbessert, Kreditzinsen erreichen einen Tiefstand. Ratingagenturen wie Standard & Poor’s und Fitch bewerten die Bonität Litauens mittlerweile mit der Note A-. Die Aufnahme in die Währungsunion war nur durch die Erfüllung der EU-Konvergenzkriterien möglich: Litauen liegt mit einem geringen Haushaltsdefizit von 2,6 Prozent des BIP unter dem geforderten Schwellenwert von 3 Prozent. Auch die Staatsverschuldung von 39 Prozent liegt deutlich unter der 60-Prozent-Grenze und erheblich unterhalb des Euro-Durchschnitts von derzeit über 90 Prozent.

1.200 deutsche Unternehmen in Litauen vertreten

Die Verbesserungen in der Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts führen dazu, dass sich immer mehr internationale Unternehmen in Litauen ansiedeln. Von den kumulierten ausländischen Direktinvestitionen am Standort Litauen in Höhe von 12,1 Milliarden Euro entfallen nach Angaben einer Umfrage der Deutschen Außenhandelskammer (AHK) rund 10,3 Prozent auf deutsche Unternehmen. Nach Schweden und den Niederlanden gehört Deutschland damit zu den wichtigsten Direktinvestoren in Litauen. Rund 1.200 Unternehmen, wie Lidl oder Schmitz Cargobull, sind nach Angaben des deutschen Auswärtigen Amtes mit deutschem Kapital in Litauen registriert. Ein aktuelles Beispiel ist die Klasmann-Deilmann GmbH, ein weltweit führender Hersteller von Kultursubstraten und Biokraftstoffen mit Sitz in Deutschland. Sie gab dieses Jahr eine Investition in Höhe von 11 Millionen Euro für eine neue Produktionsanlage in Litauen (Region Klaipėda) bekannt.

Eine aktuelle Umfrage der Deutsch-Baltischen Handelskammer (AHK Baltische Staaten) ergab unlängst, dass sich 93 % der in Litauen ansässigen deutschen Unternehmen wieder für Litauen als Auslandsstandort entscheiden würden. Vor diesem Hintergrund rechnet Litauen mit weiteren Direktinvestitionen aus dem Ausland, insbesondere aus Deutschland.

Autor: Mantas Katinas, General Manager der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Invest Lithuania

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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