Bauch, Beine, Nase, Kinn: Kaum einer findet keinen Schönheitsmakel an seinem Körper. Viel lässt sich durch Sport und gesunde Bewegung ausgleichen – liegt das Problem aber in der Fettverteilung oder in der Knochen- und Knorpelstruktur, hilft im Zweifelsfall nur eine Operation. Die Methoden der Ästhetischen Chirurgie haben sich in den letzten Jahren merklich verbessert, Spuren des Eingriffs sind oft kaum oder gar nicht sichtbar. Kein Wunder also, dass sowohl Akzeptanz als auch Umsätze der Branche wachsen. Größte Hürde für Patienten stellt nicht mehr ein gesellschaftliches Stigma mehr da, sondern in erster Linie der finanzielle Aufwand. Wer Glück hat, der bekommt die Kosten der Operation von der Kasse erstattet. Die Kriterien dafür sind streng.

Medizinische Indikation muss vorliegen

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Voraussetzung dafür, dass die Kasse zahlt, ist, dass es sich um keine rein ästhetische Präferenz handelt, sondern eine medizinische Indikation vorliegt. Die kann verschiedene Formen annehmen: Ein Schlupflid beispielsweise wird von vielen als unschön empfunden – in Extremfällen ist dadurch aber das Sichtfeld eingeschränkt, auch Schmerzen können die Folge sein. Dann kann die Krankenkasse die Kosten übernehmen. Ähnlich war der Fall eines Patienten in Hannover, dessen Nasenfehlstellung eine Blockade der Atemwege zur Folge hatte. Dieses Problem wurde durch eine fachgerechte Nasenkorrektur in der Klinik am Opernplatz behoben – da eine medizinische Notwendigkeit vorlag, zahlte die private Versicherung. Ein weiterer typischer Eingriff, bei dem Schönheitschirurgen im Auftrag der Kasse handeln, sind Brustverkleinerungen. Eine übergroße Oberweite löst unter Umständen Schmerzen und Haltungsschäden aus. Das Problem ist weit verbreitet, trotzdem werden viele Anträge abgelehnt. Die Begründung: Rückenschmerzen lassen sich gegebenenfalls auch durch eine Stärkung der Muskulatur mildern. Besser stehen die Chancen, wenn ohne die Plastische Operation Entzündungen drohen. Das ist beispielsweise bei überschüssiger Haut nach starkem Gewichtsverlust oder bei vergrößerten, inneren Schamlippen der Fall. Ab 2020 soll auch die Fettabsaugung bei Lipödem zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können.
Liegt kein physisches Problem, sondern lediglich ein psychischer Leidensdruck vor, sind die Hürden einer Kostenübernahme noch höher. Allein, dass einen die zu kleinen Brüste oder der zu dicke Bauch belasten, genügt nicht. Bessere Chancen haben beispielsweise Kinder, die wegen ihrer Segelohren gehänselt werden, oder Transmenschen, die durch eine Gesichtsfeminisierung bzw. -maskulinisierung nicht nur Dysphorie reduzieren, sondern auch weniger Gewalt und Diskriminierung erfahren können. Liegt eine auffällige Asymmetrie der Brust vor – etwa, weil eine Brust wegen einer Krebserkrankung entfernt wurde – besteht ebenfalls die Möglichkeit, die Krankenversicherung miteinzubeziehen. Bei jedem Antrag wird eine Einzelfallentscheidung vorgenommen, sichergestellt ist die Kostenerstattung so gut wie nie.

Ärztliches Attest reicht oft nicht aus

Generell gilt: Der Antrag zur Kostenübernahme sollte in jedem Fall vor der Operation gestellt werden, eine Erstattung im Nachhinein ist nicht möglich. Bessere Chancen bestehen, wenn man bereits Alternativen wie etwa Physiotherapie in Anspruch genommen hat. Bei psychischem Leidensdruck ist ein psychiatrisches Gutachten vonnöten. Auch sollte man sich gegebenenfalls auf eine längere Diskussion mit der Kasse einstellen. Erfahrungsgemäß sind private Krankenkassen eher bereit, eine Plastische Operation zu übernehmen, als gesetzliche.
Wessen Antrag abgelehnt wird, dem bleiben oft nur alternative Finanzierungsmöglichkeiten. Um die Kosten gering zu halten, weichen viele auf Ärzte im Ausland aus. Das kann selbst bei vergleichsweise simplen Eingriffen zu teils fatalen Komplikationen führen. Mittlerweile bieten viele Schönheitschirurgen Finanzierungsmodelle an oder vermitteln Patienten an die Hausbank. Eine finanzielle Verpflichtung, die gut überlegt sein will – oft aber der einzige Weg, sich wieder im eigenen Körper wohlzufühlen. Ein Gefühl, dass sich schwer mit Geld aufwiegen lässt.

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Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: redaktion@mittelstand-nachrichten.de
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