Erstmals wurden Ergebnisse einer Studie des Deutschen Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung bekannt gegeben, die sich mit den Aus- und Rückwanderern der Bundesrepublik auseinandersetzt. Zwischen Juli 2017 und Juni 2018 wurden 10.000 deutsche Staatsbürger zwischen 20 und 70 Jahren befragt, die in diesem Zeitraum ins Ausland gezogen oder nach Deutschland zurückgezogen sind. Die damit geschaffene Datengrundlage lässt das erste Mal repräsentative Aussagen über deutsche Rück- und Auswanderer zu.

Berufliche Karriere Hauptgrund fürs Auswandern

Neben dem Beruf ist die Hoffnung auf ein besseres Leben das Hauptmotiv deutscher Auswanderer.

Bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay

Laut Fokus Online sind 76 Prozent der Auswanderer Akademiker. Sie kehren Deutschland mit der Hoffnung den Rücken, in einem fremden Land bessere Arbeitsbedingungen und ein höheres Gehalt zu haben. Prof. Dr. Marcel Erlinghagen von der Universität Duisburg-Essen, die mit dem Bundesinstitut zusammen die Studie erstellte, äußerte sich wie folgt dazu: „Es liegt immer ein ganzes Motivbündel zugrunde, letztlich muss das Gesamtpaket stimmen. Innerhalb dessen spielen berufliche Gründe jedoch eine zentrale Rolle.“ So ist es kein Wunder, dass 58 Prozent der Ein- und Auswanderer eigene berufliche Gründe für das Auswandern angaben. Zudem geben 29 Prozent an, dass der Beruf der Partnerin oder des Partners zur Verlegung des Lebensmittelpunkts geführt hat.

Zwar ist es nicht immer einfach, einen Job im Ausland anzunehmen, doch kann sich dies durchaus lohnen. Beachtet man einige wichtige Grundlagen, ist das Auswandern sehr profitabel. Vollzeitangestellte im Ausland gaben an, nach einem Jahr Arbeit deutlich mehr Geld als in Deutschland zu verdienen. Laut Studie haben Emigranten nach einem Jahr Rund 1.200 Euro mehr zur Verfügung, als zuvor in Deutschland. Dies gilt auch, wenn die Summen auf die Kaufkraft des jeweiligen Landes angepasst wurden.

Hoffnung auf ein besseres Leben

Neben dem Beruf ist die Hoffnung auf ein besseres Leben das Hauptmotiv deutscher Auswanderer. 46 Prozent der Befragten gaben an, mit der Hoffnung auf einen besseren Lebensstil auszuwandern. Hier sind besonders Klima und Kultur im Zielland treibende Faktoren. Zudem gibt fast jeder fünfte Auswanderer (18 Prozent) an, in Deutschland unzufrieden gewesen zu sein. Auffällig ist, dass Männer mehr vom Auswandern profitieren als Frauen. Nur 11 Prozent der männlichen Auswanderer gaben an, nach dem Umzug aus dem Erwerbsleben ausgestiegen zu sein. Bei den Frauen liegt der Anteil mit 23 Prozent deutlich höher. Dies ist aber nicht auf die Benachteiligung von Frauen im Ausland zurückzuführen. Viel mehr fällt auf, dass deutsche Familien im Ausland das klassische Familienmodell bevorzugen. Während die Männer im Ausland arbeiten gehen und den Lebensunterhalt verdienen, kümmern sich die Frauen um Haushalt und Familie.

Regierung sieht kein Brain Drain

Trotz des hohen Anteils an Akademikern unter den Auswanderern sieht die Regierung keine Gefahr eines Brain Drains. Laut Dr. Andreas Ette vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung ist die Qualifikationsstruktur von Aus- und Rückwanderern ähnlich. So gehen Deutschland Fachkräfte nicht dauerhaft verloren, sondern es findet ein Austausch statt. Es wird also von einer „Brain Circulation“ gesprochen.

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Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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