Seit letzter Woche ist es amtlich, ab sofort bleiben die allermeisten Schulen in Deutschland geschlossen, um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen. Das heißt, auf viele Eltern kommt unvorbereitet das Thema #homeschooling zu. Viele Schulen statten ihre Schülerinnen und Schüler mit Aufgaben und Hausarbeiten aus, die in der unterrichtsfreien Zeit abgearbeitet werden sollen. Allerdings gibt es keinen bundesweiten Masterplan, wie eine aktuelle Umfrage von STARTUP TEENS zeigt. Fast 60 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler geben an, dass sie von ihrer Schule mit Aufgaben versorgt worden sind, um den Lernstoff auch ohne Unterricht zu vertiefen.

Digitale Bildungsangebote waren schon vor der Krise an den meisten Schulen Mangelware, so dass es schon an der digitalen Infrastruktur für digitale Angebote fehlt. „Selbstverständlich hat niemand die Corona-Krise, mit ihren weitreichenden Auswirkungen auf das öffentliche Leben, vorhergesehen“, sagt Hauke Schwiezer. „Aber die aktuelle Krise offenbart die riesigen Defizite bei der digitalen Bildung an unseren Schulen. Dort, wo noch Kopien verteilt werden, braucht man über ein digitales Klassenzimmer noch gar nicht nachdenken. Hier muss sich ein Mindset-Change vor allem in den Köpfen der für Bildung Verantwortlichen und der Lehrkräfte vollziehen.” Der Digitalpakt ist lobenswert, jedoch stockt er – von fünf Milliarden Euro wurden erst 20 Millionen Euro bewilligt. So ist es nicht verwunderlich, dass mit 81 Prozent eine große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler aktuell keinen Austausch über Videokonferenzen mit Lehrern oder Mitschülern aufrecht halten kann. Nur 19 Prozent der Befragten nutzen diese Möglichkeit der digitalen Interaktion in der aktuellen Lage. „Der Altersdurchschnitt unserer Lehrer ist über 50. Da sind wir schon froh, wenn die die intelligente Tafel in Gang bekommen. Ich glaube nicht, dass es bei uns funktionieren würde, dass wir uns per Skype oder so zusammenschließen können“, sagt Magda Riede. Die 16-jährige Schülerin aus Halle an der Saale nimmt mit ihrer unternehmerischen Idee am Mentoring-Programm von STARTUP TEENS teil. Sie wünscht sich für die Zukunft: „Dass nicht immer so viel Schulausfall ist, dass wir mehr Lehrer bekommen und dass die aus digitaler Sicht mal weitergebildet werden!“

Corona ist auch eine Chance für die digitale Bildung

Im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen war mit der Schule schon nach Karneval Schluss – wegen der gehäuften Corona-Fälle dort. Der Schüler Finn Bussberg steckt mitten in der Abiturvorbereitung. „Wir haben schon vor der Krise an der Schule mit Microsoft-Teams gearbeitet. Jetzt sind die Lehrkräfte angehalten, uns darüber Selbststudien und Aufgaben zu stellen“, erzählt er. “Ab und an ist es schwierig, weil manche Lehrer mit dem Tool nicht gut umgehen können, aber sonst ist es eine super Alternative.“ Finn findet, dass sich die Entwicklung auch als Chance für die digitale Bildung erweist: „Wir merken, dass wir so viel selbständiger arbeiten und unsere Zeit selbst einteilen können. Das ist unglaublich effizient. Schwierig ist aktuell die unklare Situation, wie es mit den Abi-Prüfungen weiterläuft. Unsere Vorabi-Klausuren sollten diese Woche unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geschrieben werden. Jetzt ist klar, dass das vor den Osterferien nix mehr wird.“ Den Schritt indes, die Schulen vorerst zu schließen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, finden Magda und Finn richtig. Ebenso wie 83 Prozent der Befragten, nur 17 Prozent der Schülerinnen und Schüler halten ihn für überzogen. So ernst man das Virus und seine Eindämmung nehmen muss, Finn sieht auch Positives: „Hier in Deutschland arbeiten wir viel zu wenig remote – es ist eine riesen Chance, diese Techniken in Arbeitswelt und Schule einzuführen, um das Arbeiten effizienter und sinnvoller zu gestalten.”

Kompetenzen erweitern statt Leerlauf

Leerlauf wird es bei den meisten Jugendlichen trotzdem nicht geben. Digitale Lernplattformen wie simpleclub bieten aktuell Online-Hilfspakete zum Lernen kostenfrei an. Auch STARTUP TEENS-Alumni Rubin Lind setzt mit seiner kostenfreien Lern-App skills4school auf digitale Bildung. Weitere digitale Plattformen und Angebote sind zum Beispiel Sharezone oder Sdui. Auch unternehmerische Bildung und Coding sorgen dafür, dass die künftigen Generationen sogenannte Future-Skills erlernen. Das sind Kompetenzen wie Durchhaltevermögen, Eigeninitiative, Problemlösungskompetenzen, Anpassungsfähigkeit und digitale Kompetenzen. Die brauchen nicht nur Gründer, sondern auch unternehmerisch denkende Angestellte – also jeder, der im Berufsleben erfolgreich sein möchte. „Wir sehen ein reges Interesse an unserem YouTube-Kanal und auch die Anfragen nach Mentoring sind besonders gestiegen“, so Schwiezer weiter. Das heißt, die Teenager nutzen die Zeit sinnvoll, um ihre eigenen Kompetenzfelder zu erweitern.

STARTUP TEENS hat bei der eigenen Instagram-Community ein Stimmungsbild eingefangen. Insgesamt folgen über 8.000 Follower der Non-Profit-Initiative. Die Umfrage wurde von über 1.600 Personen wahrgenommen.

Quelle: STARTUP TEENS

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