Will ein Unternehmen dem Fachkräftemangel entgegenwirken, muss es zukünftig auch mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Doch wenn Frauen befördert werden, sehen sie sich oft mit deutlich mehr Widerstand konfrontiert, als ihre männlichen Kollegen. Frauen auf Chefposten werden noch immer skeptischer betrachtet als männliche Führungskräfte.

Silvia Maute, Mentaltrainerin und Businesscoach, wird von Unternehmen beauftragt, Führungskräfte beim Start in ihre neue Rolle zu unterstützen. Aus ihrer Beratungspraxis nennt sie typische Situationen und gibt Tipps für die Konfliktlösung.

Mehr Frauen in Führungspositionen – das ist das erklärte Ziel von Politik und Wirtschaft. Hat es eine Frau geschafft, sich gegen andere Bewerber um einen Chefposten durchzusetzen, sind die Startschwierigkeiten oft größer als bei Männern. Das liegt allerdings nicht an den Kompetenzen der Frauen: Der Widerstand der Kollegen und der unterlegenen Mitbewerber ist größer als gegenüber Männern. Die Einführung der Frauenquote hat das Problem eher noch verstärkt. Oft wird den Frauen angelastet, nur aufgrund dieser Regelung aufgestiegen zu sein.

Quelle: Silvia Maute Coaching | Seminars & Concepts

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Dieser Vorwurf kränkt und verunsichert, wischt er doch mit nur einem Satz all die guten Leistungen beiseite, die der wahre Grund für die Beförderung sind. „Hier müssen sich Frauen immer wieder vor Augen führen, dass ihre guten Arbeitsergebnisse die Basis für die berufliche Veränderung sind“, rät Silvia Maute. „Mitarbeiter nur aufgrund irgendeiner Quote zu befördern können sich Firmen heute überhaupt nicht leisten. Nur wirklich gute Führungskräfte garantieren wirtschaftlichen Erfolg.“

Unter diesem Aspekt sollte der nächsthöhere Vorgesetzte die angehende Führungskraft vor dem versammelten Team in die neue Position einführen und seine Entscheidung so begründen, dass sie für alle nachvollziehbar ist.

Männliche Konkurrenz

Gab es innerhalb eines Unternehmens mehrere Bewerber um einen freien Chefposten, werden immer Konkurrenten zurückbleiben. Für Männer ist die Enttäuschung umso herber, wenn eine Frau den Zuschlag für die neue Position erhalten hat. „Viele Männer haben noch immer das Klischee verinnerlicht, dass sie beruflich erfolgreicher sein müssen als Frauen“, erklärt Silvia Maute. „Mit den früheren Mitbewerber muss eine weibliche Führungskraft deshalb besonders aufmerksam und konsequent umgehen, wenn er in ihrem Team bleiben soll.“

Um die Positionen zu klären, sollte die neue Führungskraft ein Gespräch suchen. Man darf Verständnis äußern, muss aber auch deutlich machen, dass die gemeinsamen Ziele der Abteilung jetzt eine enge und vor allem reibungslose Zusammenarbeit erfordern.

Quelle: Silvia Maute Coaching | Seminars & Concepts

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Frühere Kollegen

Das Verhältnis zu den früheren Kollegen wird sich spürbar verändern, denn als Führungskraft muss man die Leistung seiner Mitarbeiter beurteilen. Wenn das Team schon lange besteht und intensiv zusammen gearbeitet hat, wirkt der Bruch besonders radikal. Trotzdem gibt es keinen anderen Weg, als sich zu distanzieren. In Teams die sich untereinander duzen, ist das deutlich schwieriger, als wenn man sich untereinander mit dem förmlichen „Sie“ anredet. In Unternehmen, bei denen die Umgangssprache Englisch ist, haben es neue Führungskräfte zumindest in diesem Punkt einfacher. Gleichzeitig wollen viele neue Chefs kollegial führen und wissen nicht, wie man sich gegenüber dem alten Team abgrenzt. Anfangs können schon Kleinigkeiten hilfreich sein: Die neue Führungskraft sollte sich mit anderen Mitarbeitern der gleichen Führungsebene zum Mittagessen verabreden, statt mit dem alten Team in die Kantine zu gehen. Auch den Arbeitsplatz umzugestalten und optisch von den anderen abzuheben schafft Distanz.

Die Freundin im Team

Besonders schwer ist der Start als Vorgesetzte in einer Abteilung, wenn die neue Chefin eine enge Freundschaft mit einer ihrer früheren Kolleginnen verbindet. Die anderen Teammitglieder werden sehr genau beobachten, ob die neue Chefin ihre Freundin anders behandelt als das restliche Team. „Eigentlich ist es selbstverständlich, dass man als Führungskraft niemanden im Team aufgrund von persönlichen Bindungen bevorzugen darf“, sagt Silvia Maute. „Sollte der Freund oder die Freundin trotzdem beispielsweise eine interessante Aufgabe zugeteilt bekommen, muss man besonders gut argumentieren können, mit welchen Leistungen das in Verbindung steht.“

Nicht nur das Team, sondern auch die Freunde selbst können Probleme mit der neuen Situation haben. Dass jemand, mit dem man viel Persönliches teilt, plötzlich über das Gehalt mitbestimmen soll, ist für viele Menschen nicht einfach zu akzeptieren. Auch für diesen Fall ist ein klärendes Gespräch sinnvoll. Das sollte auf jedem Fall auf neutralem Boden stattfinden, am besten eignet sich dafür ein Spaziergang.

„Wahre Freundschaft übersteht vieles, auch dass der eine die Karriereleiter emporklettert, während der andere erst mal zurückbleibt“, weiß Silvia Maute. Wenn sich die Situation allerdings nicht klären lässt, müssen Führungskräfte akzeptieren, dass nicht alle Freundschaften mit ihrer neuen Stellung zu vereinbaren sind. Anstatt darüber traurig oder frustriert zu sein, müssen sich Chefs allerdings vor Augen führen: Der neue Job wird sie mit vielen neuen, interessanten Leuten zusammenführen. Womöglich ergeben sich hier dann auch neue Chancen für Freundschaften.

Über Silvia Maute

Silvia Maute ist Mentalcoach und gründete vor 15 Jahren ihr Beratungsunternehmen Silvia Maute Seminars & Concepts. Sie coacht Unternehmen, Führungskräfte, Spitzensportler sowie alle Menschen, die sich persönlich weiterentwickeln wollen. In ihren Coachings stellt sie den Menschen in den Mittelpunkt und betrachtet ihn als ein 24-Stunden Wesen, bei dem mentale und körperliche Ebene immer zusammenspielen. Zu Ihren Kunden zählen mehrere DAX-Unternehmen sowie etablierte Mittelständler.

Quelle: Silvia Maute Coaching | Seminars & Concepts

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