Finanzen

Trotz Tiefzins: Erschwerte Kreditvergabe für kleine und mittelständische Unternehmen

Zinsen sind derzeit auf einem historische Tiefstand und das macht Kredite eigentlich günstig. Für kleine und mittelständische Unternehmen ist es jedoch nach wie vor nicht unbedingt einfach Kredite gewährt zu bekommen, große Summen über einen längeren Zeitraum zu verleihen ist vielen Banken derzeit zu riskant. Gerade KMU welche in finanzielle Schieflage geraten, haben es oft schwer an Darlehen zur Überbrückung dieses Engpasses zu kommen, denn neben den erschwerten Bedingungen für kleine Betriebe verweigern Banken die Kreditvergabe immer öfter.

Die Finanzkrise hat offensichtlich gemacht, dass der Bankensektor mitunter viel zu schnell gewachsen ist. Die Realwirtschaft ist längst um ein Vielfaches kleiner als die Bilanz des Bankensystems. Günstiges Fremdkapital hat die Bilanzen aufgeblasen.

Quelle: PeteLinforth/pixabay.com
Quelle: PeteLinforth/pixabay.com

Verschärfte Regeln setzen Mittelständler unter Druck

Jetzt, wo die Regeln verschärft werden und der Druck der Politik wächst, bekommen Unternehmen die Auswirkungen zu spüren. Das macht besonders den kleineren Unternehmen zu schaffen. Der deutsche Mittelstand stellt immerhin über 99% der deutschen Unternehmen und steuert etwa 55% der Gesamtwirtschaftsleistung. Die Sicherung bzw. Steigerung der Kreditversorgung ist daher eine unvermeidbare Bedingung für das Funktionieren der deutschen Wirtschaft. Für die Gründung und Weiterentwicklung von Unternehmen spielt die Finanzierung eine entscheidende Rolle. Wer nicht über ausreichend Eigenmittel verfügt, ist auf die Hilfe von Kreditgebern angewiesen.

Zunehmende Bedeutung von Rankings

Das Ergebnis einer Studie der Europäischen Kommission über die Bonitätsprüfung von KMU hat ergeben, dass kleine Unternehmen bei Kreditanfragen deutlich öfter eine Absage erhalten als Großunternehmen und Konzerne. Ein Grund für diese Tatsache ist, dass kleine Unternehmen oft weniger aussagekräftige Daten für eine Beurteilung hergeben als größere. Dementsprechend finden sich kleine Unternehmen in den Rankings der Banken eher auf den unteren Plätzen und werden oftmals mit relativ hohen Zinsen belastet, was dazu führt, dass insbesondere Unternehmen die es sich leisten können, den Versuch unternehmen Darlehen zu vermeiden.

Klar: Je mehr Risiko ein Kredit für die Bank darstellt, desto eher wird eine Anfrage abgelehnt. Bei kleineren Unternehmen vergeben Banken Kredite dementsprechend zurückhaltend um das eigene Risiko zu minimieren. Das Problem ist hier: Unternehmen die finanziell gut aufgestellt sind und sich in den Banken internen Rankings oben befinden sind in der Regel seltener auf einen Kredit angewiesen.

Es gibt Alternativen

Jenseits des klassischen Bankkredits gibt es jedoch auch Alternativen für kleine bis mittelständische Unternehmen einen Kredit bewilligt zu bekommen. So gibt es etwa Kapital von Beteiligungsgesellschaften, Schuldscheinanleihen oder Kredite von Privat stellen Möglichkeiten dar, dringend benötigte finanzielle Mittel zu erlangen. Meist ist der Aufwand jedoch groß und viele Unternehmen schrecken vor den Koste zurück, denn diese Alternativen sind meist nicht unwesentlich teurer als ein Kredit. Der Online-Anbieter Smava beispielsweise, bietet in seinem Portfolio in Sachen Kredit neben den klassischen Privatdarlehen auch Kredite für Selbstständige an und findet eventuell auch da eine Lösung, wo die Hausbank einen Kredit verweigert. Es kann sich für kleine und mittlere Unternehmen also durchaus lohnen sich bei alternativen Kreditanbietern umzusehen.

Neue Finanzierungsmodelle wie Internetplattformen die sich speziell an kreditsuchende Unternehmen wenden sind immer wichtiger. Auch Crowdfunding-Plattformen stellen eine Möglichkeit für Gründer und junge Unternehmer dar, an dringend benötigte finanzielle Mittel zu gelangen. Vom klassischen Modell der Banken-gestützten Finanzierung müssen sich KMU in Zukunft wohl mehr und mehr verabschieden.

Veröffentlicht von:

Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche
Alexandra Rüsche gehört seit 2009 der Redaktion Mittelstand-Nachrichten an. Sie schreibt als Journalistin über Tourismus, Familienunternehmen, Gesundheitsthemen, sowie Innovationen. Alexandra ist Mitglied im DPV (Deutscher Presse Verband - Verband für Journalisten e.V.). Sie ist über die Mailadresse der Redaktion erreichbar: [email protected]
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