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Studie: DAX30 Vorstände aus dem Ausland

Im Jahr 2020 lag der Ausländeranteil in den Vorstandsetagen der größten deutschen börsennotierten Unternehmen bei rund 34 Prozent und damit nur knapp unter dem Allzeithoch von 2019. Auf der Ebene der Vorstandsvorsitzenden jedoch ist der Anteil nur halb so hoch. Der Frauenanteil pendelt zum vierten Jahr in Folge um 13 Prozent.

Zum Stichtag 20. August 2020 besaßen 33,9 Prozent der Vorstandsmitglieder der DAX30-Unternehmen einen ausländischen Pass. Der bisherige Höchststand – 35,4 Prozent im Jahr 2019 – konnte zwar nicht erreicht werden; dennoch liegt der Anteil ausländischer Vorstandsmitglieder in den DAX30-Unternehmen damit vier Jahre in Folge über 30 Prozent: Insgesamt haben 61 der 180 Manager in den DAX30-Vorstandsetagen eine ausländische Staatsangehörigkeit. Das ergibt die aktuelle Studie* „Internationalität und Frauenanteil der DAX30-Vorstände 2020“ der globalen Strategie- und Marketingberatung Simon-Kucher & Partners, die das Unternehmen seit 2005 alljährlich veröffentlicht.

„Das diesjährige Ergebnis zeigt, dass der starke Anstieg des vergangenen Jahres um knapp fünf Prozentpunkte auf über 35 Prozent kein Ausreißer war, sondern der Trend zur internationalen Besetzung des Topmanagements weiterhin nach oben zeigt“, kommentiert Studienautor Christoph Lesch, Senior Director bei Simon-Kucher & Partners.

Ausländeranteil unter Vorstandsvorsitzenden auf Tiefstand

Aber es gibt auch einen Bereich, in dem sich in den vergangenen 15 Jahren nicht viel getan hat: Auf den Chefposten der DAX30-Unternehmen sitzen weiterhin fast nur Deutsche. Nur fünf der 30 Vorstandsvorsitzenden besitzen einen ausländischen Pass, das entspricht mit 16,7 Prozent nur der Hälfte des allgemeinen Ausländeranteils. „Hier kommen die Unternehmen nicht vom Fleck, der Trend ist sogar eher negativ“, stellt Studienautor Lesch fest. Zwischen 2005 und 2015 stieg der Anteil auf zehn ausländische Vorstandsvorsitzende, anschließend sank er wieder und erreichte 2020 den Tiefpunkt der vergangenen Jahre. Die Vorsitzenden mit ausländischem Pass sind 2020 Kaspar Rorsted (Däne, Adidas), Ola Källenius (Schwede, Daimler), Rice Powell (US-Amerikaner, Fresenius Medical Care), Steve Angel (US-Amerikaner, Linde) sowie Niklas Östberg (Schwede), der Chef des frisch in den DAX30 aufgestiegenen Unternehmens Delivery Hero, welches die insolvente Wirecard ersetzt.

61 Ausländer aus 25 verschiedenen Nationalitäten in Vorständen vertreten

Die DAX30-Vorstände sind 2020 so bunt zusammengesetzt wie nie zuvor. Insgesamt finden sich 25 verschiedene Nationalitäten unter den Vorständen, zwei mehr als im Vorjahr. An der Spitze der ausländischen Nationalitäten stehen wie seit 2006 US-Amerikaner mit aktuell 11 Vorständen (6,1 Prozent), danach folgen Briten (7 Vorstände, 3,9 Prozent) und Österreicher (5 Vorstände, 2,8 Prozent).

Zurückgegangen ist der Anteil von „Exoten“ auf den Vorstandsposten. Nur noch neun Manager (5,0 Prozent) stammen aus Ländern außerhalb Europas und der USA, 2019 waren es noch zwölf. Aktuell befinden sich je zwei Vorstände aus Indien und aus Australien sowie je ein Vorstand aus Brasilien, China, Sri Lanka, Südafrika und Venezuela unter den DAX30-Vorständen.

Neuer Rekordwert bei ausländischen Vorständen innerhalb eines Unternehmens

DAX30-Neuling Delivery Hero sorgt gleich für einen neuen Rekord: alle Vorstandsmitglieder sind Ausländer. Allerdings verfügt Delivery Hero auch nur über zwei Vorstände. Aber auch ohne Delivery Hero würde Fresenius Medical Care eine neue Bestmarke aufstellen. Seit seinem Aufstieg in den DAX30 im Jahr 2009 liegt Fresenius Medical Care beim Ausländeranteil in der Vorstandsetage an der Spitze. 2020 wurde der alte Höchststand von 85,7 Prozent nochmals gesteigert auf 87,5 Prozent. Unter den acht Vorständen ist nur ein Deutscher, vier Vorstände stammen aus den USA. Auf Delivery Hero und Fresenius Medical Care folgen im Ranking Beiersdorf, und HeidelbergCement (je 71 Prozent) sowie die Allianz (70 Prozent).

„Gäbe es jedoch den Titel des internationalsten Vorstands, so stünde dieser vermutlich der Allianz zu“, stellt Studienautor Lesch fest. Unter den zehn Vorständen der Allianz sind sieben Ausländer aus fünf Nationen: neben drei Deutschen zwei Österreicher, zwei Italiener, ein Spanier, eine Südafrikanerin sowie ein Sri-Lanker. „Der Vorstand der Allianz hat in den vergangenen Jahren eine sehr internationale Prägung erhalten“, merkt Lesch an. 2015 bestand die Vorstandsetage noch aus sieben Deutschen und drei Ausländern, seit 2018 hat sich das Verhältnis gedreht und liegt zum dritten Mal in Folge auf diesem Niveau.

Ausschließlich von deutschen Vorständen geführt werden hingegen immer noch sieben DAX-Konzerne (Continental, E.ON, Infineon, MTU Aero Engines, RWE, Siemens und Volkswagen).

Frauenanteil tritt auf der Stelle – aber der politische Druck steigt

Seit 2017 stagniert der Frauenanteil unter den DAX-Vorständen um die 13 Prozent. In den vorangegangenen Jahren gab es regelmäßig größere Sprünge, beginnend von einem in heutigen Zeiten unglaublich erscheinenden Anteil von 0,5 Prozent in 2009. Damals stand eine einzige Frau 185 Männern gegenüber, 2020 sind es immerhin 23 Frauen unter den 180 Vorständen, ein Anteil von 12,8 Prozent. 19 Unternehmen haben mindestens eine Frau im Vorstand, in keinem Unternehmen liegt der Anteil über 33 Prozent. Führend beim Frauenanteil mit je zwei Vorständinnen sind Allianz, Daimler, Deutsche Telekom und Fresenius Medical Care.

Seit Jahren wird in der Politik ein verbindlicher Frauenanteil in den Vorständen der börsennotierten deutschen Unternehmen diskutiert. Die 2016 festgelegte Frauenquote in Aufsichtsräten von mindestens 30 Prozent wird mittlerweile mit einem Durchschnitt von rund 35 Prozent auch klar erfüllt. Aktuell fordert Franziska Giffey, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, die Einführung einer Frauenquote von 25 Prozent auf Vorstandsebene börsennotierter Unternehmen. „Allein der steigende politische Druck kann einen Anstieg des Frauenanteils bewirken, das haben wir nach 2010 schon einmal gesehen“, stellt Studienautor Lesch fest. Allerdings besteht in Deutschland noch ein strukturelles Problem, das sich erst langsam auflöst: Eine systematische Nachwuchsförderung von Frauen gibt es in den meisten deutschen Unternehmen erst seit zehn Jahren. „Es dauert mindestens 20 Jahre, bis das auch am obersten Ende der Karriereleiter volle Wirkung entfaltet“, so Lesch.

Vielleicht entfaltet der politische Druck auf eine Frauenquote daher sogar eine weitere beschleunigende Wirkung auf den Ausländeranteil in den DAX30-Unternehmen. „Wenn der deutsche Markt kurzfristig nicht genügend geeignete Kandidatinnen hergibt, ist es nur logisch, dass die Unternehmen sich verstärkt auch im Ausland umsehen“ stellt Lesch fest. Dies ist in den vergangenen Jahren bereits in starkem Maße geschehen, aktuell sind 48 Prozent der Frauen in DAX30-Vorständen Ausländerinnen. „Wenn wir in den kommenden Jahren einen Frauenanteil von 20 Prozent erreichen, dann werden wir vermutlich auch die 40-Prozent-Grenze bei den Ausländern knacken“, fasst Lesch zusammen.

Quelle: Simon-Kucher & Partners

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