Sven Jobusch Inside: Finanzwissen & Resilienz für Entscheider

Privatversichert im Alter?

Wer sich rechtzeitig kümmert, kann doppelt profitieren

Kolumne von Sven Jobusch

Kaum ein Thema verunsichert Unternehmer so zuverlässig wie die private Krankenversicherung (PKV) ab Anfang 50. Spätestens dann, wenn der Monatsbeitrag spürbar steigt, setzt ein kollektiver Reflex ein: Die PKV wird im Alter unbezahlbar, heißt es. Man habe sich früh „verkauft“, sei in eine Kostenfalle geraten, hätte besser in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben sollen. Diese Erzählung ist weit verbreitet – und in dieser Pauschalität schlicht falsch.

Falsche Entscheidungen

Die Wahrheit ist unbequemer: Die PKV scheitert nicht am Alter, sondern an falschen Entscheidungen, mangelnder Steuerung und jahrzehntelangem Wegsehen. Wer das System dafür verantwortlich macht, macht es sich zu leicht.

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Kein Systemversagen

Es gibt sie, die Fälle mit sehr hohen Beiträgen im Alter. Doch wer genauer hinschaut, erkennt schnell ein Muster. Es sind fast immer uralte Tarife, die seit Jahrzehnten nicht überprüft wurden. Es sind vermeintlich günstige Einsteigertarife, die nie für ein ganzes Erwerbsleben gedacht waren. Und es sind Versicherte, die sich einmal entschieden haben – und danach 20 oder 30 Jahre nichts mehr getan haben. Das ist kein Systemversagen, das ist unterlassene Verantwortung.

Die GKV ist nicht ehrlich

Besonders absurd ist der Glaube an den plötzlichen „PKV-Schock“ mit Renteneintritt. Beiträge steigen nicht über Nacht, nur weil jemand 67 wird. Sie steigen schrittweise über viele Jahre, getrieben von medizinischem Fortschritt, Kostenentwicklung und Tarifstruktur. Der Unterschied zur gesetzlichen Krankenversicherung ist lediglich, dass man es in der PKV klar auf der Rechnung sieht. In der GKV wird es politisch verpackt, umverteilt und kleinteilig gekürzt – selten offen, nie ehrlich.

Premiumleistungen statt 08/15

Was in der Debatte ebenfalls gern unterschlagen wird, ist die Leistungsseite. Die private Krankenversicherung wird fast ausschließlich über Beiträge diskutiert, kaum über Gegenwert. Dabei liegt genau dort ihr entscheidender Vorteil. Die PKV garantiert Leistungen vertraglich. Sie verspricht nicht, sie liefert. Freie Arztwahl, schnelle Termine bei Spezialisten, moderne Diagnostik, innovative Therapien und im stationären Bereich echte Wahlleistungen sind keine Luxusdetails, sondern Ausdruck von Verlässlichkeit.

Im Alter umso wichtiger

Gerade im Alter wird dieser Unterschied relevant. Wer glaubt, medizinische Versorgung spiele jenseits der 60 eine geringere Rolle, irrt fundamental. Der Bedarf steigt, nicht umgekehrt. Und während die gesetzliche Krankenversicherung zunehmend rationiert, budgetiert und priorisiert, bleibt die PKV bei dem, was vereinbart wurde. Was früher als Komfort galt, wird später zur Frage von Lebensqualität, Selbstbestimmung und oft auch von Genesungschancen.

Drohkulisse ist ein verkürztes Narrativ

Die oft zitierte Altersgrenze von 55 Jahren verstärkt die Nervosität zusätzlich. Sie wird als Drohkulisse genutzt: Wer es bis dahin nicht zurück in die GKV schafft, sei verloren. Auch das ist ein verkürztes Narrativ. Richtig ist, dass der Systemwechsel danach faktisch ausgeschlossen ist. Falsch ist die Annahme, man könne innerhalb der PKV dann nichts mehr gestalten. Tarifwechsel, Anpassungen und Entlastungsstrategien sind auch später möglich – sie erfordern nur Sachverstand und Ehrlichkeit.

Gesamtvorsorgestrategie statt solitärer PKV-Betrachtung

Besonders bei Unternehmern zeigt sich ein weiterer Denkfehler. Die PKV wird isoliert betrachtet, losgelöst von der Gesamtstrategie. Dabei wäre es naheliegend, steigende Beiträge im Alter bewusst einzuplanen und gezielt abzufedern – etwa über separate Rücklagen, Vorsorgelösungen oder Beitragsentlastungsmodelle. Wer seine Altersvorsorge diversifiziert, aber bei der Krankenversicherung auf Hoffnung setzt, handelt inkonsequent.

Verantwortung übernehmen

Am Ende bleibt eine nüchterne Erkenntnis: Die private Krankenversicherung ist kein Selbstläufer. Sie verlangt Aufmerksamkeit, Steuerung und gelegentlich unbequeme Entscheidungen. Sie ist aber auch kein Irrweg, sondern ein leistungsstarkes System für Menschen, die Verantwortung übernehmen – für ihr Unternehmen, ihre Familie und ihre eigene Gesundheit.

Rechtzeitig Weichen stellen

Die eigentliche Frage lautet daher nicht, ob die PKV im Alter unbezahlbar wird. Die Frage lautet, ob man bereit ist, sich rechtzeitig mit ihr zu beschäftigen. Angst ist kein guter Ratgeber. Strategie dagegen schon. Wer sich rechtzeitig kümmert, kann doppelt profitieren: von guten und verlässlichen Privat-Leistungen und von bezahlbaren Beiträgen.

Autorenprofil:

Der MiNa-Kolumnist Sven Jobusch ist unabhängiger Finanz- und Versicherungsmakler. Als geprüfter Fachwirt für Finanzen und Versicherungen ist er auf Gewerbekunden, Selbstständige und Freiberufler spezialisiert. Seine Mandanten schätzen insbesondere seinen Fokus auf strategische Vorsorge- und Vermögensplanung sowie Krisenprävention und Krisenintervention. Er gilt als Finanzarchitekt und jemand, der Unternehmen und Unternehmer vor und in Krisen schützt – insbesondere in Sachen Vermögen. In seiner Kolumne gibt er Finanzwissen weiter und beschäftigt sich mit den Themen Vorsorge, Resilienz und Krisenabsicherung.

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