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Bewerber wertschätzend einbinden

Eine gute Candidate Journey ist ein Vertrauensversprechen

Unternehmen investieren Millionen in Markenauftritt, Produktdesign und Kundenbindung. Die Customer Journey, also das Erlebnis des Kunden, ist meist gut geplant – und entsprechend wichtig in der Unternehmensstrategie. Bei Bewerbern sieht das meist ganz anders aus. Viele Unternehmen behandeln ihre Kandidaten mehr wie Störfaktoren im System denn als Garanten des zukünftigen Erfolgs. Dabei beginnt jede erfolgreiche Zusammenarbeit nicht mit dem ersten Arbeitstag, sondern schon lange vorher: Eine wertschätzende Candidate Journey ist maximal relevant.

Kandidaten sind keine Bittsteller

Wer heute noch glaubt, Recruiting sei das Schalten einer Anzeige und das Abarbeiten von Lebensläufen, hat den Arbeitsmarkt der Gegenwart nicht verstanden. Kandidaten sind keine Bittsteller mehr. Sie vergleichen, beobachten, testen – und sie ziehen ihre Schlüsse. Oft leise, aber dann endgültig. Woran liegt es denn, dass manche Kandidaten sich bewerben und andere nicht? Und woran liegt es, dass manch ein Kandidat zwar zusagt, dann aber heimlich weitersucht und letztlich die Stelle einfach nicht antritt? Viele Unternehmen verlieren Bewerber und künftige Mitarbeiter schon vor dem ersten Arbeitstag – weil die Wertschätzung und die Kommunikation fehlt.

Recruiting: Der erste Realitätscheck

Recruiting ist der Moment, in dem Anspruch und Wirklichkeit aufeinandertreffen. Jede Stellenanzeige erzählt eine Geschichte: über Führung, Kultur, Prioritäten. Und jede Rückmeldung – oder ihr Ausbleiben – bestätigt oder widerlegt sie.

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Monatelanges Schweigen, unklare Prozesse, wechselnde Ansprechpartner: All das signalisiert nicht „hohe Auslastung“, sondern mangelnde Wertschätzung. Wer Kandidaten wie eine Ressource behandelt, bekommt später Mitarbeiter, die sich genauso verhalten.

Gutes Recruiting heißt nicht, alles schönzureden, sondern ehrlich zu sein – zu sich und zu den Bewerbern. Ehrlich über Erwartungen, über Arbeitslast, über Entscheidungswege. Kandidaten vertragen Klarheit und offene Worte, aber sie bestrafen Intransparenz und scheinbare Widersprüche.

Pre-Boarding: Die meistverschenkte Phase

Zwischen der Zusage und der Vertragsunterschrift sowie zwischen der Vertragsunterschrift und erstem Arbeitstag liegen kritische Phasen, die viele Unternehmen komplett ignorieren. Dabei entscheidet sich hier, ob aus einer Zusage echte Bindung wird – oder nur ein weiteres Wechselrisiko. Wer es schafft, in diesen Zwischenphasen Vertrauen aufzubauen, gewinnt. Bereits vor dem ersten Arbeitstag sollten Mitarbeiter involviert und informiert werden. So entstehen bereits erste Bindungen und Loyalitäten, die sich später auszahlen. Und der neue Mitarbeiter kann bereits von Tag Eins an produktiv sein, wenn er wichtige Informationen schon vor dem offiziellen Start bekommen hat.

Pre-Boarding ist keine nette Geste, sondern Risikomanagement. Wer sich wochenlang nicht meldet, darf sich nicht wundern, wenn Zweifel entstehen. Oder wenn der neue Mitarbeiter innerlich bereits Abstand nimmt. Oder sich einfach weiter bewirbt, getreu dem Motto: Drum prüfe, wer sich ewig bindet …

Ein klarer Ansprechpartner, ein strukturierter Ablauf, erste Informationen zum Team, zum Start, zu Werkzeugen und Erwartungen, vielleicht schon eine erste Führung als Welcome – all das kostet wenig, wirkt aber enorm. Pre-Boarding sagt: Wir haben dich eingeplant. Du bist kein Lückenfüller, sondern willkommen. Du bist bereits ein Teil von uns.

Onboarding: Kultur schlägt Prozess

Auch der erste Arbeitstag ist kein Verwaltungsakt. Er ist ein psychologischer Moment, für die meisten Menschen einer der wichtigsten Tage im Leben. Sie kommen mit Neugier, Unsicherheit und dem Wunsch, dazuzugehören. Wer sie mit Formularen, IT-Problemen und Funkstille empfängt, zerstört Motivation schneller als es jedes schlechte Gehalt tun könnte.

Onboarding ist kein Einführungsprogramm. Es ist kulturelle Übersetzung. Wie sprechen wir miteinander? Wie werden Entscheidungen getroffen? Was gilt hier wirklich – nicht auf dem Papier, sondern im Alltag?

Ein gutes Onboarding macht implizites Wissen explizit. Es erklärt, warum Dinge so laufen, wie sie laufen. Und es gibt Sicherheit, Fragen zu stellen, ohne Schwäche zu zeigen. Der erste Arbeitstag schwingt zwischen „Feel Good“ und Verantwortung, Kollegialität und Organisation. Er prägt und wirkt entsprechend lange nach.

Die unbequeme Wahrheit

Die Candidate Journey zeigt nicht, wie modern ein Unternehmen sein möchte, sondern wie es tatsächlich funktioniert. Sie entlarvt Silos, Machtspiele und Führungslücken gnadenlos. Und genau deshalb wird sie so oft unterschätzt. Bewerber sind nicht minder wichtig als Kunden. Sie haben Ansprüche und Erwartungen, die erfüllt werden müssen. Wer seine Bewerber schlecht behandelt, handelt gegen die eigenen Interessen.

Wer dabei Recruiting, Pre-Boarding und Onboarding getrennt denkt, verliert Menschen. Wer sie als zusammenhängende Erfahrung versteht, gewinnt jedoch Vertrauen – und damit das Einzige, was im Arbeitsmarkt wirklich knapp ist.

Die Candidate Journey ist kein technisch-administratives HR-Thema, sondern strategische Chefsache. Denn am Ende gilt: So wie du Menschen reinholst, so werden sie auch bleiben. Oder gehen.

Autorenprofil:

Reiner Huthmacher ist MiNa-Kolumnist seit mehr als 30 Jahren Unternehmer und Geschäftsführer mit umfassender Expertise in der Personal- und Versicherungsbranche. Als Entwickler des Spezialkonzeptes „Das kleine 1×1 der Mitarbeiterbindung und Mitarbeitergewinnung” sowie als Bezirksdirektor der Gothaer Versicherung wird er als Vortragsredner häufig gebucht. Er hat schon in zahlreichen Betrieben in ganz Deutschland für mehr Motivation und Begeisterung in den Belegschaften gesorgt. Oft hat er sogar dafür sorgen können, dass Bewerber weitere Bewerber geworben haben.

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