Eine neue Studie untersucht die Einstellungen von IT-Einkäufern zu Cloud-Storage-, Produktivitäts- und Computing-Services von Microsoft, Amazon, Google und Co.

Gefragt wurde auch, wie sich Unternehmen auf die neuen Datenschutzanforderungen und auf die Folgen ihrer Cloud-Investitionen vorbereiten.

LONDON — Das Netzwerk für IT-Profis, Spiceworks, hat anhand einer aktuellen Studie untersucht, wie IT-Experten in EMEA (Europa, Naher Osten, Afrika) Cloud Services nutzen, wo sie künftig investieren und was sie von Cloud Storage sowie Productivity- und Computing-Providern halten. Außerdem wurden sie befragt, wie sie sich auf die neuen Datenschutzanforderungen vorbereiten, die mit der EU-Vorschrift General Data Protection Regulation (GDPR) verbunden sind.

Die Studie mit dem Titel „Diving into Cloud Services“ zeigt, dass mittlerweile fast alle Unternehmen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika (94 Prozent) mindestens einen Cloud-Service in Anspruch nehmen. 32 Prozent gehen davon aus, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren mehr als die Hälfte ihrer IT-Services Cloud-basiert sein werden. Am weitesten verbreitet ist Web-Hosting: 76 Prozent der Befragten gaben an, diesen Cloud-Service zu nutzen. An zweiter Stelle steht E-Mail-Hosting mit 57 Prozent, gefolgt von Cloud Storage und File Sharing mit 48 Prozent – das sind zehn Prozentpunkte weniger als in Nordamerika. Dafür liegt die Nutzung von Infrastruktur as a Service (IaaS) in EMEA um elf Prozentpunkte höher als in Nordamerika, nämlich bei 25 Prozent.

Neue EU-Anforderungen an den Datenschutz

Für 65 Prozent der IT-Experten in EMEA ist die Unabhängigkeit von Hardware und Software der größte Vorteil der Verlagerung von IT-Services in die Cloud. Als größtes Hindernis gelten die Anforderungen an die Bandbreite (57 Prozent). Insgesamt sind die Hürden, was die Hosting-Standorte betrifft, in EMEA wesentlich höher als in Nordamerika. Bei der Eingrenzung der EMEA-Ergebnisse auf Europa zeigt sich, dass fast 40 Prozent der ITler die Daten in einem ganz bestimmten Land innerhalb der EU speichern müssen. 24 Prozent dürfen sie in einem EU-Land ihrer Wahl hosten. Nur 29 Prozent sind berechtigt, Daten überall auf der Welt zu speichern.

Als Konsequenz aus dem EU-Urteil vom Oktober letzten Jahres, in dem das Safe-Harbour-Abkommen für ungültig erklärt wurde, stehen 22 Prozent der IT-Experten in Europa der Nutzung von Cloud Services skeptischer gegenüber. 43 Prozent machen sich jetzt mehr Gedanken, wo ihre Daten gespeichert werden, bevor sie auf die Cloud umsteigen. Aber nur zehn Prozent haben vor, ihre internen Data-Management-Richtlinien als Konsequenz aus dem Urteil zu ändern.

Trotz der GDPR-Vorschrift der EU haben nur elf Prozent der IT-Profis in Europa bislang Investitionen getätigt, um die neuen Datenschutzanforderungen zu erfüllen. Interessanterweise verschwenden 28 Prozent der Befragten keinen Gedanken an die neue Regelung. Und 32 Prozent sind sich nicht sicher, ob die GDPR-Vorschrift Auswirkungen auf ihr Unternehmen hat.

„Obwohl die Nutzung der Cloud klar steigt, zeigen unsere Ergebnisse, dass IT-Profis nach wie vor eine Reihe von Herausforderungen zu bewältigen haben, die vor allem vom jeweiligen Unternehmensstandort abhängen“, sagte John Webb, Director EMEA Marketing bei Spiceworks. „IT-Experten in Europa müssen sich heute mehr damit befassen, wo ihre Daten gespeichert werden. Und sie müssen sich mit neuen Regelungen auskennen, um Strafzahlungen oder Imageschäden zu vermeiden.“

In was IT-Profis investieren und warum

Trotz dieser Herausforderungen haben die IT-Experten vor, mehr in Cloud Services zu investieren: 63 Prozent der Befragten erklärten, dass bei der Evaluierung Cloud-basierter IT-Dienste die Kosten das wichtigste Kriterium sind. An zweiter Stelle steht Zuverlässigkeit mit 61 Prozent, Kontrollsysteme für die Datensicherheit mit 47 Prozent und Customer Support mit 30 Prozent. Gefragt wurde auch, in was die IT-Profis investieren und welche Attribute sie bei der Evaluierung der Cloud-Storage-, Productivity – und Computing-Provider mit den einzelnen Anbietern assoziieren:

Cloud Storage und File Sharing:

  • Microsoft OneDrive kommt in 31 Prozent der Unternehmen zum Einsatz, gefolgt von Dropbox mit 30 Prozent und Google Drive mit 21 Prozent der Nennungen. OneDrive hat künftig auch die höchsten Wachstumsraten zu erwarten: 22 Prozent der Befragten ziehen seinen Einsatz in Erwägung. Auf die Frage, welche Cloud-Storage- und File-Sharing-Anbieter die Mitarbeiter ihres Unternehmens ohne Zustimmung der IT nutzen, nannten 72 Prozent der IT-Profis Dropbox. 60 Prozent gaben Google Drive und 47 Prozent OneDrive an.
  • Google Drive wird von den meisten Befragten mit den beiden wichtigsten Kaufkriterien – Kosteneffizienz und Zuverlässigkeit – assoziiert, dicht gefolgt von Microsoft OneDrive und Dropbox. Beim Thema Sicherheit liegen OneDrive und Google Drive vorne. An qualitativ hochwertigen Customer Support denkt ein auffallend großer Anteil der IT-Experten bei keinem der Hersteller.

Cloud computing, Infrastructure as a Service (IaaS):

  • In der Kategorie Public Cloud IaaS setzen 15 Prozent der IT-Profis Microsoft Azure ein – dicht gefolgt von Amazon Web Services mit 12 Prozent. Rackspace und Google Compute Engine nutzen laut Umfrage derzeit nur fünf beziehungsweise zwei Prozent der Unternehmen in EMEA. Das größte Wachstumspotenzial hat Azure: 24 Prozent der Befragten erwägen, den Service in den nächsten zwölf Monaten einzusetzen.
  • Im Gegensatz zu den anderen Cloud-Kategorien kristallisierte sich in der Umfrage bei IaaS kein Anbieter als besonders leistungsstark in den drei wichtigsten Kaufkriterien – Kosteneffizienz, Zuverlässigkeit und Sicherheit – heraus. Die Services Microsoft Azure and Amazon Web Services wurden von den Befragten am häufigsten mit diesen Eigenschaften assoziiert. Beide schnitten bei fast allen Attributen am besten ab. Bei „Sicherheit und Vertrauen“ ist Microsoft Azure allein führend. Allerdings haben die meisten Befragten zu keinem der Anbieter besonders ausgeprägte Assoziationen.

Cloud-basierte Productivity-Suites:

  • Bei der Evaluierung der Cloud-basierten Productivity-Suites ergab die Umfrage, dass 37 Prozent der Unternehmen Microsoft Office Online als Bestandteil von Office 365 nutzen. 14 Prozent setzen Google Apps for Work ein und fünf Prozent Apple iWork. Zuwachsraten kann vor allem Office Online erwarten: 24 Prozent der Befragten erwägen seinen Einsatz in den nächsten 12 Monaten.
  • Obwohl Office Online unter den meisten IT-Experten als kosteneffizient gilt, dicht gefolgt von Google Apps, brachte ein Drittel der Befragten keinen Anbieter mit dieser entscheidenden Eigenschaft in Verbindung. Office Online ist nach wie vor führend in allen Attributen, darunter auch Verlässlichkeit und Sicherheit. Ähnlich wie beim Thema Cloud Storage und File Sharing assoziiert die Mehrheit der Befragten mit keinem der Anbieter einen qualitativ hochwertigen Customer Support.

Methodologie

Die Umfrage fand im Januar 2016 statt, sie basiert auf den Antworten von 175 Teilnehmern aus EMEA und 168 aus Nordamerika. Die Befragten zählen zu den Millionen von IT-Profis auf Spiceworks, die Unternehmen aller Größen und Branchen repräsentieren – darunter die verarbeitende Industrie, Healthcare, Non-Profit, Bildung und Erziehung, den Öffentlichen Dienst und das Finanzwesen.

Quelle: Spiceworks

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Veröffentlicht von:

Ann-Christin Haselbach

Ann-Christin Haselbach ist Kundenberaterin beim ARKM Online Verlag in Gummersbach. Sie unterstützt die Mittelstand Nachrichten und berät Neu- und Bestandskunden in allen Angelegenheiten.